Elmshorn für Anfänger

Geschichten von einer, die auszog, im Hamburger Speckgürtel zu leben. Eine pragmatische Liebeserklärung.

Mein Elmshorner Tagebuch gegen den Corona-Blues, Teil 20

Ein Kommentar

Halleluja, das Virus ist auf dem Rückzug! Anders kann man es wohl kaum deuten, wenn im Kreis Pinneberg seit nunmehr zehn Tagen keine einzige Neuinfektion mit dem SARS-CoV-2-Virus gemeldet wurde. In Hamburg sieht die Lage ähnlich aus: Seit Wochen höchstens Zahlen im niedrigen einstelligen Bereich, häufig auch mal Tage ohne jegliche Neuinfektionen.

Weil es immer weniger Menschen gibt, bei denen man sich potenziell anstecken könnte, finde ich die jüngsten Lockerungen auch mehr als angemessen. Entsprechend habe ich in den vergangenen zwei Wochen auch schon etliche der wiedergewonnenen Freiheiten für mich genutzt. Ich war beim Friseur, im Restaurant, in der Tanzschule und im Fitnessstudio. Yeah.Beim Haarstudio Manuel wurde ich vor dem Eingang begrüßt, musste einen Zettel mit meinen Kontaktdaten ausfüllen und den verwendeten Kugelschreiber im Anschluss in einen separaten Stiftehalter geben, damit er vor dem nächsten Einsatz desinfiziert werden kann. Während des gesamten Aufenthalts im Salon musste ich meine Maske tragen. Das ging sogar beim Haarewaschen und -schneiden erstaunlich gut, auch wenn ich nach wie vor kein Fan dieser blöden Gesichtsbedeckung bin. Doch die Sehnsucht nach einer vorzeigbaren Frisur macht einen halt leidensbereit – womit ich übrigens nicht allein war, denn es waren ausnahmslos alle Plätze im Haarstudio belegt, die Friseurinnen und Friseure arbeiteten im Akkord. Alles prima – ein einziger Wermutstropfen war eine Preiserhöhung um 5 Euro bei meinem Langhaarschnitt, die vermutlich die lange Ausfallzeit und auch die zusätzlichen Hygienemaßnahmen auffangen sollen.

Ins Ristorante Alfredo spazierten wir ebenfalls maskiert, durften die blöden Stoffmasken aber an unserem Tisch natürlich abnehmen. Die Tische standen weniger dicht als sonst, doch wir zückten natürlich nicht gleich den Zollstock um die vorgeschriebenen 1,50 Meter nachzumessen. Auch hier mussten wir unsere Kontaktdaten hinterlassen, damit man im Zweifelsfall Kontaktketten nachverfolgen kann. Alles okay – doch wir fanden es erstaunlich, wie sich die Stimmung im Lokal verändert, wenn Kellnerin und der Kellner Maske und Gummihandschuhe tragen. Als sei es eigentlich ihre Aufgabe, unsere Bettpfannen zu leeren und an die Medikamenteneinnahme zu erinnern… Einzig Alfredo selbst ließ sich nicht beirren: Er kam an jeden Tisch und begrüßte die Gäste per Handschlag. Wir gingen reflexartig darauf ein uns machten mit beim Handshake. Doch nachdem wir so lange niemandem mehr die Hand geschüttelt hatten, fühlte sich diese Begrüßung irgendwie komplett verkehrt an. Zum Glück war das Essen – wie immer – ein Traum, sodass wir letztlich sehr zufrieden das Restaurant verließen.

Auch das Joy Fitness hat seit zwei Wochen wieder geöffnet. Das Formular mit den Kontaktdaten beim Check-in ist nun schon fast Routine. Die Umkleiden und Duschen sowie der Saunabereich sind gesperrt, ich komme also in Sportklamotten und dusche nach dem Training zu Hause. Im Fitnessstudio markieren Klebepfeile die Laufrichtung, jedes zweite Cardio-Gerät ist gesperrt, und auch bei den dichter aufgestellten Geräten fürs Krafttraining steht nur jedes zweite zur Verfügung. Es gibt deutlich mehr Stationen mit Desinfektionsmittel und Einweghandtüchern, und alle sind noch einmal mehr als sonst angehalten, die Geräte nach der Benutzung damit zu reinigen. Ich war bislang zweimal im Joy Fitness und fühlte mich nach dem Training richtig gut – meine Schultern und mein Nacken freuen sich, wenn ich endlich mal wieder gezielt den Oberkörper trainiere. Beide Male war es überhaupt nicht voll, sodass man sich problemlos aus dem Weg gehen und den vorgeschriebenen Abstand einhalten konnte. Daumen hoch!

 

Ein ausgeklügeltes Hygienekonzept erwartete uns auch bei unserem ersten Besuch der Tanzschule Lesebergseit Corona. Man hatte uns schon zuvor per Mail informiert, dass die Tanzkurse wieder starten – allerdings mit weniger Paaren als sonst, ohne Barbetrieb, mit Einbahnstraßenverkehr im Foyer und begrenzten Tanzzonen für jedes Paar in den Tanzsälen. Man kann derzeit nicht einfach zu dem Kurs aufschlagen, nach dem einem gerade der Sinn steht, sondern muss sich für jeden Termin separat und verbindlich anmelden. Die Tanzlehrerin führte uns die Schrittfolgen ohne Tanzpartner vor. Der Tanzssaal sah mit den durch Klebestreifen abgetrennten Tanzzonen ein bisschen aus wie eine Schulturnhalle. Doch weil wir zumindest in der ersten Stunde nur Lateintänze tanzten, bei denen man sich nicht in Tanzrichtung durch den gesamten Saal bewegt, war das „Tanzen in der Box“ kein großes Problem. Zum Glück pfiff nicht gleich Christian Drosten „Abseits“, wenn man mal versehentlich über die Linie tanzte, also hatten wir trotz der etwas gewöhnungsbedürftigen Hygieneregeln Spaß beim Tanzen und freuen uns schon auf den nächsten Termin.

 

Nach dem Hammer kommt der Tanz

Die vorsichtige Rückkehr in die „neue Normalität“ klappt bei uns also ziemlich gut und ganz ohne dass wir das Gefühl hätten, uns unnötigen Risiken auszusetzen. Deshalb kann auch nicht verstehen, warum viele Menschen die Lockerungen für verfrüht oder zu weitreichend halten. In meinen Augen rechtfertigen die verschwindend geringen Zahlen bei den Neuinfektionen nicht mehr die massive Einschränkung der Grundrechte, die wir zu Recht während der Hochphase der Pandemie einhalten mussten. Seit ich das erste Mal von der „Hammer-Tanz-Strategie“ gelesen habe, fand ich den Gedanken (man kann die deutsche Übersetzung des Originalaufsatzes hier nachlesen) sehr einleuchtend: Um die Pandemie einzudämmen, müssten Staaten zunächst den sprichwörtlichen Holzhammer rausholen, sprich schnelle und drastische Maßnahmen ergreifen – strenge Kontaktbeschränkungen, Schul-, Kita-, Geschäftsschließungen etc. Sobald die Zahl der Neuinfektionen auf ein sehr niedriges Niveau zurückgedrängt wurde, kann die zweite Phase beginnen. In der Phase des „Tanzes“ können die meisten sehr drastischen Maßnahmen wieder aufgehoben werden, einige wenige bleiben bestehen. Begleitend müssen neue Infektionsherde schnell isoliert, die Testkapazitäten weiter ausgebaut werden. Man nennt die Phase einen Tanz, weil je nach Bedarf flexibel zwischen unterschiedlichen Maßnahmen gewechselt wird. Genau in dieser Phase sind wir nun angelangt – und ich hoffe sehr, dass nicht noch einmal der Hammer zum Einsatz kommen muss.  Doch wenn sogar unser als eher vorsichtiges Corona-Orakel bekannter Prof. Christian Drosten es mittlerweile für denkbar hält, dass wir um die berüchtigte zweite Infektionswelle herumkommen, dann bin ich tatsächlich sehr zuversichtlich.

Screenshot NDR

Tolle Foto-Kampagne von „Wir.sind.Elmshorn“

Um Zuversicht (hallo, man beachte bitte die gelungene Überleitung!) und positives Lebensgefühl geht es auch den Machern des Instagram-Blogs „Wir.sind.Elmshorn“, die am vergangenen Samstag zum Fotoshooting in ihre frischgegründete Agentur „Medienkapitän“ eingeladen hatten. Ich verfolge das Treiben der vier Jungs nun schon eine Weile auf Instagram und nutzte deshalb natürlich die tolle Gelegenheit, sie einmal persönlich kennen zu lernen. Es gibt schließlich nicht allzu viele Elmshorn-Blogger, da muss man zusammenhalten! 🙂 Jedenfalls waren am Samstag alle Elmshornerinnen und  Elmshorner eingeladen, die Medienkapitäne zu besuchen und sich professionell fotografieren zu lassen. Die Fotos dürfen privat verwendet, aber auch von „Wir sind Elmshorn“ genutzt werden – um mit echten Gesichtern aus dieser Stadt und ihren persönlichen Statements zu zeigen, was Elmshorn lebens- und liebenswert macht. Die Aktion machte auch ein NDR-Fernsehteam neugierig: Es kam vorbei, filmte ein paar Minuten und strahlte den Film am Abend im Schleswig-Holstein-Magazin aus (leider nur noch bis morgen Abend in der Mediathek verfügbar). „Elmshorn, die Stadt der Fotomodelle“, lautet der Schlusssatz – und bei diesem Stichwort kommen natürlich auch die Fotos von Christoph und mir ins Spiel!

 

Rezepttipps für die schnelle und gesunde Corona-Küche

So, und nun ist es auch schon wieder Zeit für meine heutigen Rezepttipps! Wir haben in den vergangenen Tagen wieder ein paar neue Sachen ausprobiert, die wir zum Nachkochen empfehlen können. Wenn euch also so langsam die Ideen ausgehen, was man zu Hause kochen könnte… nur zu, probiert es doch einmal hiermit:

 

Nudeln mit Pesto, buh langweilig, denkt ihr vielleicht. Kann doch jeder. Tja, es ist aber selbstgemachtes Pesto aus Giersch! Der wuchert leider ziemlich hartnäckig in unserem Garten, und meines Wissens gibt es auch eigentlich nichts, was man gegen ihn ausrichten kann. Außer ihn zu essen! Vor ein paar Jahren habe ich schon einmal eine Quiche aus Giersch gemacht, die ich geschmacklich allerdings nur so mittelmäßig lecker fand. Nun hat Christoph im Garten Unkraut gejätet und Pesto aus dem Giersch gemacht. Wie ein klassisches Pesto also den Giersch mit Olivenöl, geriebenem Hartkäse und Pinienkernen sowie etwas Salz im Mixer zu einer breiigen Paste zerkleinern. Auf Spaghettig geben oder ein Tomatenbrot damit verfeinern – lecker!!

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Nun, wo es langwam wieder wärmer ist, steht euch vielleicht auch der Sinn nach einem erfrischenden Salat aus Wassermelone und Feta. Wir haben ihn mit etwas Olivenöl, weißem Balsamico und Zitronenmelissen angemacht. Superfix zubereitet und sehr lecker.


Last but not least wieder meine Empfehlungen für die weitere Lektüre bzw. seriöse Quellen zum Thema Corona:

Über politische Entscheidungen hier in Schleswig-Holstein rund um die Corona-Pandemie informiert man sich am besten auf der Seite der Landesregierung, die hier alle Infos zur Pandemie bündelt. Die entsprechenden Infos aus Hamburg findet man hier.

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) pflegt mit Eurotopics einen Kanal, in dem themenbezogen internationale Pressestimmen gebündelt werden. Hier wurde auch ein Dossier zum Coronavirus eingerichtet.

Das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlicht auf seiner Seite täglich aktualisierte Informationen zu Fallzahlen, Risikogebieten, Meldepflichten etc.

Das Willkommensteam für Flüchtlinge Elmshorn hat auf seiner Seite Kurzinfos über Corona sowie Hygienetipps in diversen Sprachen gesammelt (Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Arabisch, Persisch/Dari, Tigrinya, Russisch, Bosnisch, Somali). Bitte leitet sie weiter an Menschen, die nicht gut Deutsch verstehen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betreibt ein Corona-Dashboard in dem man tagesaktuell die internationalen Fallzahlen nachlesen kann. Auch für Deutschland gibt es ein Corona-Dashboard, das vom RKI betrieben wird und auch Geo-Informationsdaten zur Verbreitung von Corona in Deutschland auf Basis bis auf Landkreis-Ebene enthält.

Ganz besonders ans Herz legen möchte ich euch den NDR-Podcast mit Prof. Christian Drosten, Virologe an der Berliner Charité. Er ist einer der führenden Experten für Coronaviren und kommentiert wissenschaftlich fundiert sowie wohltuend sachlich die aktuelle Lage. Mittlerweile erscheint der Podcast nur noch zweimal pro Woche statt jeden Werktag.

Wer an harten medizinischen Fakten interessiert ist, kann sich auch die Dossiers der Fachverlage ansehen. So bündelt die Thieme-Gruppe die im Unternehmen verfügbaren relevanten Inhalte auf einer Seite. Dazu gehören unter anderem fundierte Patienteninformationen inklusive Symptom-Checker, ein Online-Kurs zu COVID-19, relevante Inhalte aus Thieme Fachzeitschriften und Büchern sowie aktuelle Stellungnahmen verschiedener Fachgesellschaften. Ziemlich wissenschaftlich geht es bei der Elsevier-Gruppe zu, die ebenfalls ein umfangreiches Themenportal zu Corona und Covid-19 unterhält – für Forschende, klinisch Tätige sowie Patientinnen und Patienten. Auch Springer Medizin bündelt sämtliche Inhalte zum Thema Corona und Covid-19 in einem Themendossier mit wissenschaftlichen ebenso wie versorgungspolitischen Informationen.

Ein Kommentar zu “Mein Elmshorner Tagebuch gegen den Corona-Blues, Teil 20

  1. Pingback: Auf den Corona-Blues folgt echter Blues: Die Bohemian Blues Connection in „Das Knopf“ in Ellerhoop | Elmshorn für Anfänger

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