Elmshorn für Anfänger

Geschichten von einer, die auszog, im Hamburger Speckgürtel zu leben. Eine pragmatische Liebeserklärung.

Mein Elmshorner Tagebuch gegen den Corona-Blues, Teil 12

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Seit wir in der Woche jeden Tag den NDR-Podcast mit dem Virologen Prof. Christian Drosten hören, amüsieren wir uns darüber, dass er statt „Tests“ meist „Teste“ sagt. Ich hätte meine Hand dafür ins Feuer gelegt, dass das falsch ist. Und nahm es als ein Indiz dafür, dass auch der tollste Experte eben nicht Experte für alles (z. B. Grammatik) sein kann.

Heute habe ich nun zum äußersten journalistischen Mittel gegriffen: Recherche. Und ein kurzer Check auf Duden.de belehrte mich darüber, dass „Teste“ sehr wohl ein möglicher Plural von „Test“ ist. Auch wenn die meisten Leute wohl „Tests“ sagen. Okay, 1:0 für Christian Drosten. Er erfüllt damit wohl doch die Kriterien eines Universalgelehrten der Neuzeit.

Das Coronavirus ist ein kleine Exhibitionist!

Doch er sagt in seinem Podcast manchmal auch andere Sachen, die zur Erheiterung taugen. Vorgestern zum Beispiel erklärte er, dass das Coronavirus sich unmittelbar vor seinem Eintritt in die Wirtszelle kurz entblößt und dabei seine empfindlichsten Stellen offenlegt. Ja, das hat er wirklich so gesagt! Ui, dachte ich mir, was für ein exhibitionistisches kleines Miststück! (Sagt bloß, bei euch löst das kein Kopfkino aus?) Und so ein Content, der eindeutig als FSK 16 eingestuft werden müsste, wird einfach tagsüber gesendet! Es muss wohl an diesen „besonderen Zeiten“ liegen, dass niemand Anstoß daran nimmt. Überhaupt, die besonderen Zeiten… So langsam finde ich, dass die Medienbranche sich neue Einstiege in ihre Geschichten ausdenken sollte. Denn mittlerweile kommt mir sofort das Gähnen, wenn ein Text mit den Worten „In besonderen Zeiten wie diesen…“ oder „Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen…“ startet. Also, etwas mehr Kreativität bitte!

Wäsche machen während der Telefonkonferenz

Trotzdem liefert die tägliche Zeitungslektüre doch noch praktische Inspirationen für den Alltag. So konnte man heute in den Elmshorner Nachrichten lesen, dass der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck während langatmiger Telefonkonferenzen im Home Office gern mal die Wäsche macht. Eine großartige Idee, die ich gleich meinem Mann Christoph weitergegeben hat. Der verbringt nämlich gefühlt seinen gesamten Arbeitstag in Telefon- und Skype-Konferenzen (und saugt mir dabei nebenbei bemerkt das ganze Internet weg, nur weil sein Schreibtisch näher am Router steht). Wenn sein Chef sich wundert, kann er sich immerhin auf den grünen Partei-Chef berufen.

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Extra geschminkt für den Einkauf beim Lidl

Doch jetzt ist ja erstmal Wochenende. Unseres begann mit einem Einkauf bei Lidl und Rewe an der Ost-West-Brücke. Für mich das große Ausgeh-Highlight, für das ich mich erstmals in dieser Woche mal wieder geschminkt habe. Obwohl, das stimmt nicht ganz. Als wir am Mittwochabend Essen beim Restaurant Samos bestellt haben (dort gibt es einen Abholservice, funktioniert prima!), habe ich mich auch geschminkt. Weil ich kurz mit dem Auto zum Köhnholz gefahren bin und dort unsere zwei Mahlzeiten abgeholt habe. Hätte mir jemand vor ein paar Wochen prophezeit, dass ich mich für derart banale Gelegenheiten extra schminke, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Nun ja, in besonderen Zeiten wie diesen…

Jeder Supermarkt hat andere Konzepte zum Schutz vor Corona

Jedenfalls ist uns beim Einkaufen aufgefallen, wie unterschiedlich die Maßnahmen sind, die Supermärkte zum Schutz ihres Personals und ihrer Kundschaft treffen. Beim Lidl stand eine Angestellte mit Warnweste vor dem Eingang, die mit einer Sprühflasche Desinfektionsmittel bewaffnet war und erst einmal die Griffe unseres Einkaufswagens und auch unsere Hände einsprühte. Das wirkt schon mal irgendwie professionell. Allerdings trug die Dame keinen Mundschutz und kam uns – weil sie uns ja die Hände einsprühen musste – näher als anderthalb Meter. Hmm, das gab leichte Abzüge in der B-Note. Im Laden selbst war es für meinen aktuellen Geschmack zu voll, und nicht alle schienen wirklich gut darauf zu achten, Abstand zu halten. Immerhin hielten sich an der Kasse alle an die Markierungen auf dem Boden, und die Kassiererin war durch eine Plexiglasscheibe geschützt. Der Rewe nebenan war ebenfalls ziemlich gut besucht, und es war schwer, den anderen Kundinnen und Kunden aus dem Weg zu gehen. Insbesondere im Kassenbereich fand ich es recht drängelig – und an unserer Kasse gab es sogar überhaupt keinen Schutz für die Kassiererin. Angesichts der vielen Leute habe ich nun beschlossen, meine Ostereinkäufe lieber schon zum Wochenanfang zu erledigen – in der Hoffnung, dass dann nicht ganz so viele Menschen in den Geschäften sind.

Wie organisiert man ein Ostereiersuchen via Skype?

Allzu viel Sachen werde ich sowieso nicht besorgen müssen. Schließlich erwarten wir keinen Besuch. Wenn ich die aktuelle Rechtslage samt dazugehörigem Bußgeldkatalog korrekt interpretiere, darf uns nicht einmal mein Sohn über Ostern besuchen kommen. Er lebt in Hamburg und hat damit Einreiseverbot nach Schleswig-Holstein. Ich werde ihm also ein Päckchen schicken müssen – und mache mir ansonsten mal Gedanken, wie man ein familienübergreifendes Ostereiersuchen via Skype organisieren könnte.

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Möhrenkuchen zählt doch als Gemüsemahlzeit, oder?

Einen kleinen österlichen Vorgeschmack gab es aber heute schon, und zwar in Form eines Möhrenkuchens. Ich hatte das Rezept auf Instagram entdeckt, wo ich dem Rezeptteam von Köllnflocken folge. In dem Post hieß es, zum Zeitpunkt der Rezeptentwicklung habe man noch nicht ahnen können, dass neuerdings Mehl und Hefe in den Läden so schwer zu bekommen sind. Jedenfalls kommt das Möhrenkuchen-Rezept ganz ohne diese beiden Zutaten aus. Er war leicht nachzubacken, ist mir gut gelungen und schmeckte wirklich lecker. Weil er zu einem großen Anteil aus Möhren betsteht, geht er im Grunde sogar als Gemüsemahlzeit durch. Wir haben ihn vorhin auf der Terrasse gegessen, wo wir von unserem Paletten-Sofa aus einen schönen Blick auf die letzten Sonnenstrahlen hatten und den Vögeln lauschen konnten. Schön!

Aktuelle Zahlen der Landesregierung auch am Wochenende

Auch heute gab es wieder eine Mail der Pressestelle der Landesregierung in Kiel in Sachen Corona mit einer Zusammenfassung der neuesten Zahlen bis einschließlich 3. April 2020. Demnach wurden bislang seit Beginn der Epidemie insgesamt  1.568 Fälle in Schleswig-Holstein gemeldet (+ 120 im Vergleich zur Meldung am Vortag). Die Anzahl inzwischen genesener Personen sei nicht meldepflichtig und werde daher nicht statistisch bei der Landesmeldestelle erfasst. 218 Personen sind oder waren seit Beginn der Epidemie in einem Krankenhaus in Behandlung (+ 18 im Vergleich zur Meldung am Vortag). 153 Personen befinden sich derzeit in Krankenhausbehandlung. (+ 8 im Vergleich zur Meldung am Vortag). Bis dato wurden in Schleswig-Holstein 17 Todesfälle im Zusammenhang mit der Viruserkrankung gemeldet (+ 1 Pinneberg, +1 Stormarn, im Vergleich zur Meldung am Vortag). Wer sich das alles in hübschen bunten Grafiken (und mit weiterhin unverändert kryptischen Überschriften) ansehen möchte, bitte hier klicken.



Zum Schluss wiederhole ich meine Bitte an euch: Nehmt die Corona-Pandemie ernst, haltet euch an die Anweisungen und Empfehlungen der Behörden und informiert euch auf seriösen Kanälen. Davon gibt es wirklich viele, denn im Zuge der Corona-Pandemie pflegen diverse Institutionen zum Teil aufwändige Dossiers. Außerdem haben sich eine Reihe von Fachverlagen dazu entschlossen, ihre Beiträge zum Coronavirus und Covid-19 frei zugänglich zu machen. Hier ein Überblick über einige lesenswerte Quellen:

Über politische Entscheidungen hier in Schleswig-Holstein rund um die Corona-Pandemie informiert man sich am besten auf der Seite der Landesregierung, die hier alle Infos zur Pandemie bündelt. Die entsprechenden Infos aus Hamburg findet man hier.

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) pflegt mit Eurotopics einen Kanal, in dem themenbezogen internationale Pressestimmen gebündelt werden. Hier wurde nun auch ein Dossier zum Coronavirus eingerichtet.

Das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlicht auf seiner Seite täglich aktualisierte Informationen zu Fallzahlen, Risikogebieten, Meldepflichten etc.

Das Willkommensteam für Flüchtlinge Elmshorn hat auf seiner Seite Kurzinfos über Corona sowie Hygienetipps in diversen Sprachen gesammelt (Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Arabisch, Persisch/Dari, Tigrinya, Russisch, Bosnisch, Somali). Bitte leitet sie weiter an Menschen, die nicht gut Deutsch verstehen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betreibt ein Corona-Dashboard in dem man tagesaktuell die internationalen Fallzahlen nachlesen kann. Ein ähnliches Corona-Dashboard gibt es auch für Deutschland; es enthält Geo-Informationsdaten zur Verbreitung von Corona in Deutschland auf Basis der aktuellen RKI-Zahlen, die man bis auf Landkreis-Ebene herunterbrechen kann – also auch bis zu unserem Kreis Pinneberg.

Ganz besonders ans Herz legen möchte ich euch den täglichen NDR-Podcast mit Prof. Christian Drosten, Virologe an der Berliner Charité. Er ist einer der führenden Experten für Coronaviren und kommentiert wissenschaftlich fundiert sowie wohltuend sachlich die aktuelle Lage. Wir hören das inzwischen jeden Tag.

Wer an harten medizinischen Fakten interessiert ist, kann sich auch die Dossiers der Fachverlage ansehen. So bündelt die Thieme-Gruppe die im Unternehmen verfügbaren relevanten Inhalte auf einer Seite. Dazu gehören unter anderem fundierte Patienteninformationen inklusive Symptom-Checker, ein Online-Kurs zu COVID-19, relevante Inhalte aus Thieme Fachzeitschriften und Büchern sowie aktuelle Stellungnahmen verschiedener Fachgesellschaften. Ziemlich wissenschaftlich geht es bei der Elsevier-Gruppe zu, die ebenfalls ein umfangreiches Themenportal zu Corona und Covid-19 unterhält – für Forschende, klinisch Tätige sowie Patientinnen und Patienten. Auch Springer Medizin bündelt sämtliche Inhalte zum Thema Corona und Covid-19 in einem Themendossier mit wissenschaftlichen ebenso wie versorgungspolitischen Informationen.

 

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