Elmshorn für Anfänger

Geschichten von einer, die auszog, im Hamburger Speckgürtel zu leben. Eine pragmatische Liebeserklärung.

Mein Elmshorner Tagebuch gegen den Corona-Blues, Teil 11

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Ein paar Tage lang war hier Pause. Es gab einfach nicht viel zu erzählen. Ich habe inzwischen ein bisschen das Zeitgefühl verloren, Wochenenden fühlen sich kaum anders an als Wochentage. War gestern Mittwoch? Ist Mittwoch wirklich Mitte der Woche?

Eigentlich war mein Plan, dass ich mich heute ans Kofferpacken mache. Ich hatte eine Woche Urlaub mit meinem Sohn gebucht. Wir hatten Flüge nach Nizza und eine Ferienwohnung in Grasse gebucht, wollten uns die Wiege der Parfumproduktion anschauen und ein bisschen französische Lebensart genießen. Morgen sollte es losgehen. Dass daraus nichts wird, ist nun schon seit einigen Wochen klar.

Die Flüge wurden von Eurowings annulliert, ich bekomme mein Geld zurück. Die Buchung der Ferienwohnung habe ich via Fewo-Direkt.de rechtzeitig storniert und darf auch hier mit 100 Prozent Erstattung rechnen. Der Mietwagen war ohnehin nur reserviert, noch nicht bezahlt. Wirtschaftlich nehme ich keinen Schaden, insofern jammere ich auf hohem Niveau. Doch ich hatte mich halt sehr auf den Urlaub gefreut – gerade auch, weil meine letzte Reise allein mit meinem erwachsenen Sohn schon ein paar Jahre her ist. Wir hoffen nun, dass wir sie im Frühjahr 2021 nachholen können. Statt Urlaub also ein paar weitere Wochen bleierne Zeitlosigkeit, da müssen wir nun halt durch.

Wieso hat mein Mann schon um 11:30 Hunger auf Mittagessen?

Übrigens verdanke ich der Krise auch ein paar neue Erkenntnisse über meinen Ehemann. Leuten, die ebenso wie ich nun gemeinsam mit ihrem Lieblingsmensch im Home Office arbeiten, ist es vielleicht ebenfalls aufgefallen: Wir wussten trotz jahrelanger Beziehung längst nicht alles übereinander. Mein Mann zum Beispiel scheint sich im Job angewöhnt zu haben, schon um 11:30 Uhr Mittagspause zu machen. Entsprechend beginnt er auch hier ungefähr ab 11 Uhr, hungrig durch’s Haus zu schleichen und mich nach Ideen für’s gemeinsame Lunch zu löchern. Für mich ist das eine Uhrzeit, zu der ich normalerweise längst nicht an Mittagessen denke. Aber das sind natürlich nur lustige kleine Details – ansonsten bin ich dankbar, dass unser Zusammenleben trotz fehlender anderer persönlicher Kontakte weiterhin angenehm und ohne Streit verläuft.

Loop-Schal ist unbequem, ich fange also nun an zu nähen…

Inzwischen sieht man auch in Elmshorn mehr Menschen mit Gesichtsmasken in der Öffentlichkeit. Ich halte das durchaus für eine sinnvolle Maßnahme – solange Privatpersonen nicht medizinisches Equipment bunkern, das dann in Kliniken, Arztpraxen, Pflegediensten oder auch Bestattungsunternehmen fehlt, wo Menschen nun einmal nicht anderthalb Meter Abstand wahren können und zudem weiterhin mit vielen Personen in Kontakt kommen. In den vergangenen Tagen haben wir Loop-Schals verwendet, von denen wir als aktive Laufsportler etliche in den Schubladen haben. Doch ehrlich gesagt sind diese Dinger ziemlich unbequem, wenn man sich bei einem Spaziergang zu zweit unterhalten möchte. Ständig saugt sich eine Stofffalte zwischen die Lippen und muss wieder herausgezuppelt werden. Meine Mutter hat sich allen Ernstes aus einem Cup eines Schalen-BHs einen Mundschutz gebastelt (Quelle: WhatsApp-Familienchat, ob sie ihn wirklich draußen tragen möchte, weiß ich allerdings nicht). Ich habe mir nun lieber die legendäre Nähanleitung der Feuerwehr Essen (PDF-Datei mit acht Seiten) heruntergeladen und ausgedruckt. Nach Feierabend werde ich mal meine Stoffvoräte durchsehen und schauen, ob sich daraus etwas wie eine Gesichtsmaske zaubern lässt.

Digitales Coronarchiv für die Historiker von morgen

Vor ein paar Tagen (nein, eigentlich war es erst gestern… soviel zum Thema Verlust des Zeitgefühls!)  war im Hamburger Abendblatt über ein spannendes Projekt gelesen. So haben vier Historiker von drei Universitäten aus Hamburg, Bochum und Gießen das digitale „Coronarchiv“ gegründet, in dem persönliche Fundstücke und Erinnerungen gesammelt werden, damit die vielen persönlichen Gedanken und Eindrücke dieser Krise nicht verloren gehen und für die Nachwelt erhalten bleiben. Mein Eindruck ist: Das Archiv wird bereits fleißig genutzt. Menschen laden darin Fotos von leeren Bussen hoch, formulieren kleine positive Gedanken oder laden Home-Office-Home-Schooling-Frust ab. Es ist spannend, darin zu stöbern! Ich habe natürlich gleich mal meine bisherigen Beiträge aus diesem Elmshorner Corona-Tagebuch dort eingegeben. 🙂

Aktuelle Zahlen der offiziell gemeldeten Neuinfektionen

Derweil zeichnet sich bei der Zahl der offiziell gemeldeten Neuinfektionen so langsam eine leichte Entspannung ab, wie die aktuellen Zahlen der Landesregierung zeigen. Will heißen: Die Zahl der Neuinfektionen steigt nicht mehr ganz so rasant an, doch sie steigt natürlich weiter. Zwar hat man in der Pressestelle immer noch nicht die seltsamen Überschriften über den einzelnen Tabellen und Diagrammen verbessert, aber in der Begleit-Mail gibt es immer in paar Erläuterungen zu den Zahlen. Demnach gibt es derzeit (Stand 1. April) 1.242 gemeldete Fäll in Schleswig-Holstein (+ 91 im Vergleich zur Meldung am Vortag). Die Anzahl inzwischen genesener Personen sei nicht meldepflichtig und werde daher nicht statistisch bei der Landesmeldestelle erfasst, heißt es weiter. Mich würde sie trotzdem interessieren – es macht doch Mut zu erfahren, wie viele Menschen den Mist bereits hinter sich haben und damit erst einmal immun gegen Corona sind. Doch weiter im Text: Seit Beginn der Epidemie waren 182 Personen in Krankenhaus-Behandlung (+ 18 im Vergleich zur Meldung am Vortag), aktuell liegen 131 Personen mit Covid-19 im Krankenhaus. Insgesamt wurden in Schleswig-Holstein bis dato 12 Todesfälle im Zusammenhang mit der Viruserkrankung gemeldet (+ 1 Kreis Dithmarschen und +1 Kreis Rendsburg-Eckernförde, im Vergleich zur Meldung am Vortag).

Neue Tipps für die schnelle und gesunde Corona-Küche

Natürlich habe ich auch heute wieder Tipps für alle, die im Home Office arbeiten und nun nicht in der Firmenkantine essen können. Heute sogar zwei, als kleine Entschädigung für die Sendepause der vergangenen Tage. Einmal gab es bei uns in den vergangenen Tagen Falafelbällchen aus einem Fertig-Mix, dazu einen Salat aus Tomate, Paprika und Feta. Wir hatten keinen Quark im Haus und haben die fertigen Bällchen daher in unser hausgemachtes Chutney getunkt, das ich auf meinem anderen Blog vor einer Weile mal vorgestellt hatte. Eine beliebige fertige Grillsoße hätte es sonst aber auch getan. Oder eben ein Dip aus Quark bzw. Joghurt.

Desweiteren habe ich ein Rezept für Grünkohl gestetet und für gut befunden. Wir hatten beim Hof Dannwisch, von dem wir unsere wöchentliche Biokiste beziehen (der aber neuerdings aufgrund des immensen Ansturms keine Neukunden mehr annimmt), den letzten Grünkohl der Saison bestellt. Normalerweise bin ich nicht so ein Grünkohl-Fan, zumindest nicht, was den klassisch norddeutschen Grünkohl mit Kochwurst oder Bauchfleisch angeht. Doch als exotisch gewürztes Gericht mit Kürbis fand ich ihn wirklich lecker. Das Rezept habe ich hier gefunden – und statt Hokaido einfach Butternut-Kürbis verwende. Sternanis hatte ich tatsächlich noch im Vorat, und zwar in einem Beutel mit acht verschiedenen Gewürzen für Lebkuchen, die ich irgendwann mal backen wollte. Ich habe leider vergessen, wann ich diesen Plan einmal gefasst hatte – es muss aber etliche Jahre her sein, denn das auf der Packung aufdruckte Mindesthaltbarkeitsdatum… nun, es war abgelaufen. Vielleicht duftete der Sternanis schon mal intensiver, doch er war durchaus noch aromatisch und hat das Gericht schön ergänzt. So sah am Ende alles aus – und war mit nicht allzu großem Aufwand leicht nachzukochen:

Grünkohl IMG_5498



Zum Schluss wiederhole ich meine Bitte an euch: Nehmt die Corona-Pandemie ernst, haltet euch an die Anweisungen und Empfehlungen der Behörden und informiert euch auf seriösen Kanälen. Davon gibt es wirklich viele, denn im Zuge der Corona-Pandemie pflegen diverse Institutionen zum Teil aufwändige Dossiers. Außerdem haben sich eine Reihe von Fachverlagen dazu entschlossen, ihre Beiträge zum Coronavirus und Covid-19 frei zugänglich zu machen. Hier ein Überblick über einige lesenswerte Quellen:

Über politische Entscheidungen hier in Schleswig-Holstein rund um die Corona-Pandemie informiert man sich am besten auf der Seite der Landesregierung, die hier alle Infos zur Pandemie bündelt. Die entsprechenden Infos aus Hamburg findet man hier.

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) pflegt mit Eurotopics einen Kanal, in dem themenbezogen internationale Pressestimmen gebündelt werden. Hier wurde nun auch ein Dossier zum Coronavirus eingerichtet.

Das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlicht auf seiner Seite täglich aktualisierte Informationen zu Fallzahlen, Risikogebieten, Meldepflichten etc.

Das Willkommensteam für Flüchtlinge Elmshorn hat auf seiner Seite Kurzinfos über Corona sowie Hygienetipps in diversen Sprachen gesammelt (Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Arabisch, Persisch/Dari, Tigrinya, Russisch, Bosnisch, Somali). Bitte leitet sie weiter an Menschen, die nicht gut Deutsch verstehen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betreibt ein Corona-Dashboard in dem man tagesaktuell die internationalen Fallzahlen nachlesen kann. Ein ähnliches Corona-Dashboard gibt es auch für Deutschland; es enthält Geo-Informationsdaten zur Verbreitung von Corona in Deutschland auf Basis der aktuellen RKI-Zahlen, die man bis auf Landkreis-Ebene herunterbrechen kann – also auch bis zu unserem Kreis Pinneberg.

Ganz besonders ans Herz legen möchte ich euch den täglichen NDR-Podcast mit Prof. Christian Drosten, Virologe an der Berliner Charité. Er ist einer der führenden Experten für Coronaviren und kommentiert wissenschaftlich fundiert sowie wohltuend sachlich die aktuelle Lage. Wir hören das inzwischen jeden Tag.

Wer an harten medizinischen Fakten interessiert ist, kann sich auch die Dossiers der Fachverlage ansehen. So bündelt die Thieme-Gruppe die im Unternehmen verfügbaren relevanten Inhalte auf einer Seite. Dazu gehören unter anderem fundierte Patienteninformationen inklusive Symptom-Checker, ein Online-Kurs zu COVID-19, relevante Inhalte aus Thieme Fachzeitschriften und Büchern sowie aktuelle Stellungnahmen verschiedener Fachgesellschaften. Ziemlich wissenschaftlich geht es bei der Elsevier-Gruppe zu, die ebenfalls ein umfangreiches Themenportal zu Corona und Covid-19 unterhält – für Forschende, klinisch Tätige sowie Patientinnen und Patienten. Auch Springer Medizin bündelt sämtliche Inhalte zum Thema Corona und Covid-19 in einem Themendossier mit wissenschaftlichen ebenso wie versorgungspolitischen Informationen.

 

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