Elmshorn für Anfänger

Geschichten von einer, die auszog, im Hamburger Speckgürtel zu leben. Eine pragmatische Liebeserklärung.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer in gruseligen Zeiten

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Die Wiederwahl von Trump in den USA, das Erstarken von Autokraten, die fortwährenden Kriege weltweit, der Rechtsruck in Deutschland… es gibt zurzeit ja nicht allzu viele Gründe für Zuversicht und Optimismus. Deshalb bin ich froh, dass wir am Freitag in der Elmshorner City unterwegs waren, wo so viele Menschen kulturelles und zivilgesellschaftliches Engagement gezeigt haben.

Zuerst haben wir im Pop Up Store in der Königstraße 53 vorbeigeschaut, wo das Kulturkombinat Elmshorn gemeinsam mit dem Stadtmarketing eine bunte Mischung aus Livemusik, Infoständen verschiedener Organisationen, Workshops, einer Lesung und Kunstausstellungen auf die Beine gestellt hatte. Im Anschluss ging es gleich weiter auf der Demonstration für Demokratie und gegen den Rechtsruck in Deutschland.

Das Kulturkombinat Elmshorn ist eine Initiative des Vereins Apollo Kultur e. V., der sich der Förderung von Musik und Kultur in Elmshorn verschrieben hat. Leider scheint das ursprüngliche Ziel, das Apollo als Kultur- und Veranstaltungszentrum zu erhalten, nicht mehr wirklich realistisch. Dennoch will der Verein weiterhin Menschen zusammenbringen und Elmshorn (er-)lebenswerter machen. Er möchte mit eigenen Veranstaltungen und Projekten die Kulturlandschaft in Elmshorn ergänzen, sich aber auch mit anderen Kulturschaffenden vernezten.

Kreatives Netzwerk vieler Kulturschaffender aus Elmshorn

Für diese Vernetzung haben die Leute vom Apollo Kultur e. V. vor einer Weile also das Kulturkombinat Elmshorn gegründet. Beteiligt sind aktuell schon eine beachtliche Reihe von Kulturschaffenden: Neben dem Apollo Kultur e. V. auch der Förderkreis MS Klostersande, das Kranhaus, die Straßenpirat:innen, der Stadtteiltreffpunkt Klostersande, der Förderverein Menschen im Krankenhaus, das Stadtmarketing Elmshorn, der Elmshorner Künstler Philipp Horschejschi aka phlipart (den ich seinerzeit bei seiner Vernissage im Apollo kennen gelernt habe), das Kulturportal Elmshorn, der irische Musiker Declan O’Connell, die mexikanische Künstlerin Melissa Aguila Garcia, der Schweißkünstler Nik Metallgelöt, die Musikgruppe Hannah tanzt!, der Elmshorner Sänger und Komponist Frank Ramson, die Künstlerin Conny S., der Autor und Kabarettist Arne Tiedemann, die Autorin und Journalistin Maiken Brathe, die Malerin Monja Dargel und die Rockband Bad Sister (bei deren Bandprobe ich einmal dabei sein durfte). Herzstück der Website ist ein Veranstaltungskalender, in dem Kulturinteressierte – sortiert nach Genre, Veranstalter, Datum etc. – nach kulturellen Events stöbern können. Wenn ihr das Kulturkombinat noch nicht kennt: Schaut doch einfach mal rein!

Nette Leute kennen lernen und Ideen für die Zukunft sammeln

Am vergangenen Freitag also konnte man nicht nur virtuell, sondern ganz leibhaftig im kulturellen Angebot dieser Stadt stöbern. Ich habe mich gefreut, zum ersten Mal Nik Metallgelöt persönlich kennen zu lernen, dem ich mit seinen witzigen Metallkreationen aus Fahrradketten und anderen Alltagsgegenständen seit einer Weile auf Instagram folge. Daneben engagiert er sich aber auch bei den Straßenpirat:innen, die tolle Aktionen für Kids und Jugendliche auf die Beine stellen. Wir haben auch mit den Leuten vom Förderverein MS Klostersande geschnackt und uns fest vorgenommen, endlich einmal eine Veranstaltung auf der MS Klostersande zu besuchen – Asche auf mein Haupt, ich war tatsächlich noch nie im Bauch dieses historischen Schiffs! Ich finde es wunderbar, wie viele Leute sich ganz überwiegend ehrenamtlich für kulturelle Vielfalt in unserer Stadt einsetzen.

Viele Menschen, die sich friedlich und kreativ für Vielfalt und Toleranz einsetzen

Allzu lange konnten wir allerdings nicht im Pop Up Store bleiben, denn wir hatten ja bei der Demo „Unser Licht für die Demokratie“ (organisiert vom Elmshorner Bündnis für Demokratie) eine bürgerliche Pflicht zu erfüllen. Es waren zwar nicht so viele Menschen unterwegs wie bei einer ähnlichen Demo 2024 um diese Zeit. Vielleicht lag es am regnerisch-ungemütlichen Wetter, vielleicht auch an der sinkenden Bereitschaft, sich von rechtem Gedankengut abzugrenzen. Dennoch war es eine tolle Demo – und 600 bis 2.000 Menschen (das waren die Zahlen, von denen ich bislang gelesen habe) – sind ja immerhin eine ordentliche Menge. Das ist es, das mir Hoffnung macht: Es gibt in meiner Stadt trotz all der unguten Entwicklungen in dieser Welt immer noch viele Menschen, die sich friedlich und kreativ für Vielfalt und Toleranz einsetzen. Danke!

Danke auch an Fridays for Future Elmshorn für die schönen Bilder vom Lichtermarsch. Ich selbst konnte leider nicht fotografieren, weil ich voll und ganz damit beschäftigt war, unser Transparent (siehe rechtes Bild) auf Spannung zu halten. 🙂

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