Auch wenn ich nun schon seit 13 Jahren in Elmshorn lebe, ist meine alte Liebe zu Hamburg nicht erloschen. Und es lässt sich auch nicht leugnen: Hamburg hat definitiv schönere Gullydeckel! Für Raubdrucke auf T-Shirts eignen sie sich also deutlich besser als die hiesigen Kanalabdeckungen.
Am vergangenen Wochenende haben wir spontan Uli und Sven beim Drucken von „Hamburger Gullyshirts“ in Övelgönne begleitet. Uli ist eine langjährige Freundin von mir, wir haben viele Jahre in derselben Nachbarschaft gewohnt. Sie und ihr Lebensgefährte Sven fahren regelmäßig in Hamburg herum und fertigen Drucke von ausgewählten Gullydeckeln: auf Einkaufsbüdel, auf Fleecedecken, vor allem aber auf T-Shirts und Hoodies.
Ich bin vor vielen Jahren schon auf diese Form von Streetart aufmerksam geworden, als die Raubdruckerin Berlin mit ihrer Kunst angefangen hat. Mittlerweile ist daraus eine richtige kleine Bewegung entstanden. Es gibt ziemlich viele Leute, die sich für (schön gestaltete!) Gullydeckel interessieren und sie fotografieren bzw. als Druckvorlage verwenden. Auf Facebook gibt es eigene Gruppen für Interessierte (ich bin z. B. Mitglied in der Gruppe „Manhole Covers around the World“ und schwärme seither für die wirklich kunstvollen Gullydeckel, die Leute aus Japan dort posten), und einzelne von ihnen haben ein kleines Business aus dem Freiluft-Drucken mit Gullydeckeln gemacht. So auch Sven: Unter www.sven-nielsen.de kann man bei ihm auf Vorbestellung Shirts und andere Textilien mit Hamburger Gullydrucken ordern. Es gibt dabei nicht nur das Motiv mit der klassischen Hammaburg, sondern z. B. eines mit den Schlumpern, einer Ateliergemeinschaft von Künstler*innen mit Behinderung von der Stiftung Alsterdorf.
Drucken mit wasserlöslicher und unschädlicher Siebdruckfarbe
Als er zuletzt in Övelgönne ein paar vorbestellte Shirts bedruckte, waren wir also dabei – und ich habe die Gelegenheit genutzt, selbst ein T-Shirt zu bedrucken. Im ersten Schritt wird der Gullydeckel gereinigt und von Sand und Schmutz in den Ritzen befreit. Im zweiten Schritt wird mit einer Lackierrolle Siebdruckfarbe (wasserlöslich und unschädlich fürs Grundwasser!) aufgetragen. Dann legt man das Shirt auf den Gullydeckel und drückt es schön fest an. Beherzt abziehen – und fertig ist das Gullyshirt! Am Ende einer Druckaktion wird der Gullydeckel mit Wasser und Spülbürsten wieder sauber geschrubbt und ist definitiv sauberer als zuvor.










Ich plädiere für Gullydeckel mit Flora- oder Wasserturm-Motiv in Elmshorn!
Leider wurden wir während des Druckens vom Regen überrascht und mussten die Aktion dann früher abbrechen als geplant. Aber ich habe ein cooles Shirt abgestaubt, das ich zu Hause nur noch bügeln musste, um die Farbe zu fixieren. Ein echtes Unikat – haltet gern Ausschau nach mir, wenn ich es im Sommer auch in Elmshorn spazieren führe! Denn die Chancen auf ein echtes Elmshorner Gullyshirt stehen leider nicht gut: Hier habe ich einfach noch nirgends einen schönen Gullydeckel mit Elmshorner Wappen und Schriftzug entdeckt. Lediglich in der Königsstraße findet man ein paar mit einer Kompass-Windrose, aber ohne jeglichen Elmshorn-Bezug. Dabei wären das Walfängerschiff Flora oder der Elmshorner Wasserturm doch wirklich schöne Motive – und ein paar coole Gullydeckel könnten vielleicht auch eine Menge Gullydeckel-Tourismus anlocken. Ob ich das Thema mal dem Stadtmarketing präsentieren sollte? 😉
