Elmshorn für Anfänger

Geschichten von einer, die auszog, im Hamburger Speckgürtel zu leben. Eine pragmatische Liebeserklärung.

Mein Elmshorner Tagebuch gegen den Corona-Blues, Teil 5

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Ein lustiger Nebeneffekt der aktuellen Pandemie ist, dass es mittlerweile ein Corona-Emoji auf meinem Smartphone gibt. Ich muss gestehen, dass es zuerst bei anderen aufgefallen ist, die es bereits verwendeten. Auf meinem iPhone war es noch nicht zu finden. Deshalb habe ich endlich den schon etliche Tage ignorierten Update des Betriebssystems heruntergeladen – und schwupp hatte ich auch ein Virus, das meine nonverbalen Ausdrucksmöglichkeiten ergänzt.

In seiner Emoji-Variante ist das Corona-Virus sehr wandlungsfähig. Wenn ich es von meinem iPhone per WhatsApp an meinen Mann schicke, der ein Android-Smartphone nutzt, dann sieht es bei der Ankunft dort ganz anders aus. Genau genommen eher wie ein Bakterium. Das ist im Grunde eine biologische Sensation, die dringend weiter erforscht werden sollte. Vielleicht reiche ich das mal als Hörerfrage beim NDR ein, damit sie es im täglichen Corona-Podcast mit Prof. Christian Drosten besprechen. Wer sich intensiver mit den Auswirkungen von Corona auf die Emoji-Nutzung befassen möchte, dem sei dieser wissenschaftliche Beitrag auf Emojipedia empfohlen.

Normalerweise sind Viren tatsächlich ziemlich wandlungsfähig, auch wenn sie sich natürlich nicht in Bakterien verwandeln können. Deshalb hält der Schutz einer Influenza-Impfung auch nur für eine Saison, im nächsten Winter sind nämlich schon wieder neue Virenstämme im Umlauf. Immerhin scheint das Corona-Virus nicht ganz so schnell zu mutieren wie andere Viren – eine gute Nachricht für alle, die bereits eine Covid19-Infektion durchgemacht haben und danach zumindest für ein paar Jahre immun gegen eine Neuinfektion sein dürften.

Von einer Durchseuchung der Gesellschaft und flächendeckender Immunisierung sind wir hier in Schleswig-Holstein allerdings noch weit entfernt, wie der Blick in die heutige Statistik der Landesregierung zeigt:

Coronafälle SH 230320

Bitte keine vorschnellen Urteile bei anderen Autokennzeichen

Es gibt aber auch ein paar Dinge, die mich heute nachdenklich gemacht haben. Und das sind die schnellen Urteile, die manche über andere fällen, ohne zu wissen, was wirklich hinter deren Verhalten steckt. Da schrieb zum Beispiel gestern jemand in einer Elmshorn-Gruppe auf Facebook darüber, dass er unter dem Scheibenwischer seines Autos einen Zettel gefunden hat, auf dem sinngemäß stand, dass er sich gefälligst aus Elmshorn verpissen soll, wenn er hier gar nicht wohnt. Ich war ehrlich gesagt fassungslos, als ich das las. Die Aktion hatte wohl zum Hintergrund, dass Touristen schon vor etlichen Tagen eindringlich aufgefordert wurden, Schleswig-Holstein zu verlassen, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Und der wütende Schreiber des Scheibenwischerzettels hielt den Halter des Autos für einen Auswärtigen, der sich unrechtmäßig hier aufhält. Nun wohnte der Autor der besagten Zeilen bei Facebook aber sehr wohl in Elmshorn, hatte aber beim Umzug hierher sein altes Kennzeichen behalten – das ist ja seit ein paar Jahren möglich – und deshalb kein Kennzeichen PI an seinem Auto (eine Entscheidung, die ich übrigens absolut nachvollziehen kann, wie sich in einem älteren Blogbeitrag hier nachlesen lässt). Ich möchte dazu noch ergänzen, dass es auch viele Firmen gibt, die ihre Angestellten mit Dienstwagen ausstatten, die dann allesamt am Sitz der Firmenzentrale zugelassen werden und entsprechend ein anderes Kennzeichen haben. Also wäre es nett, nicht voreilig zu urteilen, sondern zumindest in Erwägung zu ziehen, dass die Sache auch ganz anders sein könnte als man spontan denkt.

Bitte auch keine vorschnellen Urteile bei Zweitwohnungen

Ein ähnliches Muster ist in der Diskussion um Menschen zu beobachten, die einen Zweitwohnsitz in Schleswig-Holstein haben und sich hier weiterhin aufhalten. Allzu schnell kommt einem bei diesem Thema das Klischee der reichen Hamburger Schnösel in den Sinn, die ungeachtet der Pandemie am Wochenende nach Sylt jetten, um dort Champagner zu schlürfen. Solche Leute mag es geben, sie wurden ja auch vereinzelt an den einschlägigen Hotspots gesichtet. Doch man kann halt nicht alle über einen Kamm scheren. Hierzu hat das Hamburger Abendblatt heute berichtet. In dem Artikel werden Menschen zitiert, die in ihren Zweitwohnungen in Eckernförde oder St. Peter Ording nun von Nachbarn offen angefeindet werden. Ein Ehepaar, das einen Zweitwohnsitz an der Schlei hat, erzählt darin: „Mein Mann und ich sind Rentner, wir leben einen großen Teil des Jahres hier in unserem Häuschen. Wir Besitzer von Zweitwohnungen zahlen Steuern, finanzieren die Infrastruktur mit und werden jetzt wie Bürger zweiter Klasse behandelt.“ Privatleute nehmen sich das Recht heraus, so mit anderen umzugehen, weil die Politik mit ihren Sanktionen zunächst ebenfalls deutlich über’s Ziel hinausgeschossen ist. Das zeigt dieser ebenfalls vom Abendblatt zitierte Fall einer Familie, die ihre Etagenwohnung in Hamburg im Vertrauen das zunächst zugesagtes Bleiberecht in Schleswig-Holstein an eine fünfköpfige Familie vergeben hatte, die nach ihrem Tirolurlaub zum Schutz der Großeltern nicht in den Erstwohnsitz zurückkehren konnte. „Nun müssten wir in unsere Wohnung zurück und die andere Familie sehen, wo sie bleibt – obwohl sie in Quarantäne ist …“. Merke: Zweitwohnungseigentümer sind nicht zwingend genusssüchtige Egomanen, die auch in Krisenzeiten nur an den eigenen Wochenendurlaub denken. Manchmal sind es halt auch Leute, die den zusätzlichen Wohnraum nutzen, um anderen Raum für die erforderliche Quarantäne zu bieten. Bitte auch hier erstmal nachdenken, bevor man vorschnell urteilt. Zumindest die Politik hat in diesem Punkt nun nachjustiert: Heute erreichte mich am späten Nachmittag noch eine Pressemitteilung der Landesregierung in Kiel, wonach die Allgemeinverfügung zum Thema Zweitwohnungen nun mit einem neuen Erlass überarbeitet werden soll. Dieser Erlass definiert trifitge Gründe, aus denen Zweitwohnungen auch weiterhin genutzt werden dürfen – zum Beispiel zwingende berufliche, gesundheitliche oder ehe-, sorge-und betreuungsrechtliche Gründen oder auch eine am Hauptwohnsitz nicht zu gewährleistende Trennung von Personen, die aufgrund behördlicher Anordnung unter häusliche Quarantäne stehen. Na bitte, geht doch.

Auch keine vorschnellen Urteile im Supermarkt

Und last but not least sollte man auch beim Einkaufen nicht immer voreilige Schlüsse ziehen, nur weil im Einkaufswagen eines anderen vielleicht vier Pakete Klopapier und sechs Packungen Mehl liegen. Mag sein, dass es ein panischer und unsolidarischer Hamsterkäufer ist. Genauso gut kann es aber auch sein, dass da jemand für seine drei älteren Nachbarn die Wocheneinkäufe miterledigt und deshalb größere Mengen kauft als es mir auf den ersten Blick plausibel erscheint. Wer in so einer Situation also schon einen bissigen Kommentar auf der Zunge hat: Verkneift ihn euch bitte. Ihr könnt nicht in die Köpfe der Leute hineinschauen und auf den ersten Blick ihre Beweggründe durchschauen. Danke.

Blitzrezept für Home Office und Quarantäne

Doch nun genug erhobener Zeigefinger, ich hatte euch doch für jeden Tag ein schnelles, gesundes und leckeres Rezept versprochen, das man auch in Home Office und Quarantäne leicht nachkochen kann. Voilà, heute gibt es überbackenen Chicorée! Man nehme Chicorée, halbiere die einzelnen Köpfe der Länge nach und dünste sie ein paar Minuten lang in wenig Wasser, bis sie fast gar, aber noch bissfest sind. Währenddessen in einer Schüssel 2 Eier mit ca. einem Glas Milch verquirlen und mit Salz und Pfeffer würzen. Die Chicorée-Hälften in eine gefettete ofenfeste Form geben, mit dem Milch-Ei-Gemisch übergießen und Käsescheiben darüberlegen. Nach 20 Minuten im 180 Grad heißen Ofen ist das Essen auch schon fertig. Viel Spaß beim Nachkochen und guten Appetit! 🙂

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Zum Schluss wiederhole ich meine Bitte an euch: Nehmt die Corona-Pandemie ernst, haltet euch an die Anweisungen und Empfehlungen der Behörden und informiert euch auf seriösen Kanälen. Davon gibt es wirklich viele, denn im Zuge der Corona-Pandemie pflegen diverse Institutionen zum Teil aufwändige Dossiers. Außerdem haben sich eine Reihe von Fachverlagen dazu entschlossen, ihre Beiträge zum Coronavirus und Covid-19 frei zugänglich zu machen. Hier ein Überblick über einige lesenswerte Quellen:

Über politische Entscheidungen hier in Schleswig-Holstein rund um die Corona-Pandemie informiert man sich am besten auf der Seite der Landesregierung, die hier alle Infos zur Pandemie bündelt. Die entsprechenden Infos aus Hamburg findet man hier.

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) pflegt mit Eurotopics einen Kanal, in dem themenbezogen internationale Pressestimmen gebündelt werden. Hier wurde nun auch ein Dossier zum Coronavirus eingerichtet.

Das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlicht auf seiner Seite täglich aktualisierte Informationen zu Fallzahlen, Risikogebieten, Meldepflichten etc.

Das Willkommensteam für Flüchtlinge Elmshorn hat auf seiner Seite Kurzinfos über Corona sowie Hygienetipps in diversen Sprachen gesammelt (Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Arabisch, Persisch/Dari, Tigrinya, Russisch, Bosnisch, Somali). Bitte leitet sie weiter an Menschen, die nicht gut Deutsch verstehen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betreibt ein Corona-Dashboard in dem man tagesaktuell die internationalen Fallzahlen nachlesen kann. Ein ähnliches Corona-Dashboard gibt es auch für Deutschland; es enthält Geo-Informationsdaten zur Verbreitung von Corona in Deutschland auf Basis der aktuellen RKI-Zahlen, die man bis auf Landkreis-Ebene herunterbrechen kann – also auch bis zu unserem Kreis Pinneberg.

Ganz besonders ans Herz legen möchte ich euch den täglichen NDR-Podcast mit Prof. Christian Drosten, Virologe an der Berliner Charité. Er ist einer der führenden Experten für Coronaviren und kommentiert wissenschaftlich fundiert sowie wohltuend sachlich die aktuelle Lage. Wir hören das inzwischen jeden Tag.

Wer an harten medizinischen Fakten interessiert ist, kann sich auch die Dossiers der Fachverlage ansehen. So bündelt die Thieme-Gruppe die im Unternehmen verfügbaren relevanten Inhalte auf einer Seite. Dazu gehören unter anderem fundierte Patienteninformationen inklusive Symptom-Checker, ein Online-Kurs zu COVID-19, relevante Inhalte aus Thieme Fachzeitschriften und Büchern sowie aktuelle Stellungnahmen verschiedener Fachgesellschaften. Ziemlich wissenschaftlich geht es bei der Elsevier-Gruppe zu, die ebenfalls ein umfangreiches Themenportal zu Corona und Covid-19 unterhält – für Forschende, klinisch Tätige sowie Patientinnen und Patienten. Auch Springer Medizin bündelt sämtliche Inhalte zum Thema Corona und Covid-19 in einem Themendossier mit wissenschaftlichen ebenso wie versorgungspolitischen Informationen.

 

 

 

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