Elmshorn für Anfänger

Geschichten von einer, die auszog, im Hamburger Speckgürtel zu leben. Eine pragmatische Liebeserklärung.

Aktuelle Gedanken zur Parkplatzsituation: Was bin ich froh, dass ich nicht pendeln muss!

6 Kommentare

Elmshorn ist eine Pendlerstadt, schon klar. Doch ich für meinen Teil bin heilfroh, dass ich mich nicht tagein tagaus über die A23 oder in einer überfüllten Regionalbahn Richtung Hamburg quälen muss.

In den vergangenen Tagen habe ich häufiger mal über das Schicksal der in Elmshorn lebenden Pendler nachgedacht. Denn in den Elmshorner Nachrichten war unter der Schlagzeile „Bald ist Schluss mit kostenlos“ einiges über die Parkplatzsituation in der Elmshorner City zu lesen. Demnach ist die Zahl der Pendler, die den Elmshorner Bahnhof ansteuern, um hier zu parken und mit der Bahn gen Hamburg zu fahren, in den vergangenen fünf Jahren um 23 Prozent gestiegen. Einem Tortendiagramm in dem Artikel kann man entnehmen, dass 57 Prozent von ihnen nicht aus Elmshorn kommen, sondern aus umliegenden Gemeinden und auch aus dem Kreis Steinburg, also etwa aus Horst oder Kiebitzreihe.

2012 bekam man noch bis 8:30 Uhr einen Parkplatz am Bahnhof

Ich selbst pendele zwar nicht regelmäßig nach Hamburg, doch auch mir ist die Veränderung aufgefallen. Denn als wir 2012 hierher gezogen waren, hatte ich bald spitzbekommen, dass man wochentags nach 8:30 Uhr im Park+Ride-Parkhaus am Steindammpark keinen Parkplatz mehr findet. Davor hatte man durchaus noch Chancen auf einen Stellplatz. Mittlerweile, also etwa fünf Jahre später, sollte man vor 7:00 Uhr vor Ort sein, wenn man noch einen Parkplatz finden möchte. Ich vermute einmal, dass diese anderthalb Stunden weniger, die es braucht um beide Parkdecks komplett zu füllen, ungefähr den 23 Prozent Steigerung bei den Bahnhofspendlern entsprechen.

Ich pendele nur sehr gelegentlich nach Hamburg

Für mich persönlich hat das nicht allzu große Auswirkungen. Ich arbeite im Heimbüro und fahre nur gelegentlich nach Hamburg, wenn ich dort Termine habe oder am Flughafen bzw. Hauptbahnhof eine Reiseverbindung kriegen muss. Meist gehe ich dann einfach zu Fuß zum Elmshorner Bahnhof – das dauert nur 15 Minuten und freut außerdem meinen Schrittzähler. Doch wenn ich einen Koffer dabei habe, weil ich für mehrere Tage unterwegs bin, ist das nur bedingt machbar. Dann hätte ich gern die Option, mit dem Auto zu fahren und meinen Wagen am Bahnhof zu parken. Da diese Situation in meinem Alltag nicht ständig vorkommt, kann ich es in der Regel auch anders organisieren: Entweder setzt mich mein Mann auf dem Weg zur Arbeit am Bahnhof ab, oder ich nehme mir ein Taxi.

Wer will allen Ernstes sein Fahrrad am Bahnhof abstellen?

Doch wer jeden Tag nach Hamburg pendeln muss, braucht eine alltagstaugliche Variante. Der Hinweis, man möge doch das Auto stehenlassen und zu Fuß oder mit dem Fahrrad zum Bahnhof kommen, zieht in meinen Augen nicht wirklich. Nicht jeder wohnt in fußläufiger Entfernung vom Bahnhof oder ist gut zu Fuß – und die Empfehlung, das Fahrrad für den ganzen Tag am Bahnhof abzustellen, kann man nicht ernsthaft aussprechen, wenn man weiß, wie viele Fahrräder dort gestohlen werden und wie wenig gute Stellflächen es gibt, an denen man sein Fahrrad sicher und fest anschließen kann.

Fahrradchaos

In Hamburg-Langenhorn waren immer genug Parkplätze frei

Ich muss in diesen Tagen deshalb öfter mal an Hamburg-Langenhorn denken, wo ich bis zu meinem Umzug nach Elmshorn 18 Jahren lang gelebt habe. Der Stadtteil Langenhorn hat laut Wikipedia knapp 45.000 Einwohner und damit sogar noch weniger als Elmshorn. An der U-Bahn-Haltestelle Langenhorn-Markt findet sich ein insgesamt viergeschossiges Park+Ride-Parkhaus, in dem man lange Jahre kostenlos parken konnte (mittlerweile leider kostenpflichtig), ebenso gibt es (inzwischen leider ebenfalls kostenpflichtige) P+R-Parkplätze an der U-Bahn Langenhorn-Nord. In Langenhorn parken viele Pendler aus dem nördlichen Umland, insbesondere aus Norderstedt. Und doch war es immer möglich, auch nach 9:00 Uhr morgens noch einen Parkplatz zu ergattern.

Elmshorn braucht ein drittes Parkdeck am Bahnhof!

Wenn ich die Elmshorner Möglichkeiten für Park+Ride also mit Hamburg-Langenhorn vergleiche (ja, ich höre den Einwand mit den Äpfeln und den Birnen schon…), dann hat Elmshorn schlicht viel zu wenige Parkplätze in direkter Umgebung des Bahnhofs. Das Park+Ride-Parkhaus bräuchte in meinen Augen dringend ein drittes Parkdeck – wer auch immer für Bau, Finanzierung und Bewirtschaftung zuständig ist.

Keine Zeit um viele kleine Parkplätze anzusteuern

Für wenig zielführend halte ich allerdings die in den Elmshorner Nachrichten beschriebene Strategie, nun überall in der City für alle anderen (zum Teil nicht ausgelasteten) Parkplätze eine „Parkraumbewirtschaftung“ einzuführen (was am Ende nur heißt, dass alle Parkplätze kostenpflichtig werden), damit sich die Parker gleichmäßiger in der Stadt verteilen. Wer zum Bahnhof will und einen bestimmten Zug erwischen muss, der hat keine Zeit, zunächst viele verschiedene kleine Parkplätze (ob nun kostenpflichtig oder gebührenfrei) anzusteuern und zu schauen, ob dort vielleicht noch etwas frei ist. Der braucht stattdessen ein ausreichendes Angebot an Parkplätzen direkt am Bahnhof, alle auf einen Haufen.

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Termingerechte Routenplanung wird zum Glückspiel

Denn wenn man keinen stundenlangen Zeitpuffer hat, dann kann man sich nach einer erfolglosen Parkplatzsuche im Park+Ride-Parkhaus genötigt sehen, doch „schnell“ mit dem Auto nach Hamburg zu fahren. Über die Dauerbaustelle A23/A7, auf der die termingerechte Routenplanung auf absehbare Zeit noch ein ziemliches Glückspiel sein wird. Wie gesagt, wenn es mir als Heimarbeiterin gelegentlich mal so ergeht, wachsen mir deswegen nur wenige graue Haare. Ich habe im Alltag null Arbeitsweg und kann dann ab und an auch mal großzügig sein, wenn die Fahrt nach Hamburg etwas länger dauert. Aber wer jeden Arbeitstag in die Metropole tingeln muss und dabei unnötig viel Lebenszeit verliert, der wird irgendwann missmutig.

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6 Kommentare zu “Aktuelle Gedanken zur Parkplatzsituation: Was bin ich froh, dass ich nicht pendeln muss!

  1. Ich sehe, das es eher eine Lösung geben muss, die es nicht nötig macht, das Autos den ganzen Tag am Bahnhof zu parken. Es muss möglich sein, anders als mit dem PKW zum Bahnhof zu kommen. Wer in Elmshorn wohnt allemal. Ob man es über den Bus versucht oder sich etwas innovatives ausdenkt. So werden Plätze für die frei, die sie wirklich brauchen. Vielleicht braucht Elmshorn auch drei weitere Bahnhöfe im Norden und Süden der Stadt. So hat man nicht mehr den einen, zentralen Punkt. Außerdem kann man da dann auch besser Parken. Grundsätzlich finde ich Parkraum in der Stadt verschenkte Fläche, die sich für Parks oder Gebäude sinnvoller nutzen lässt.

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  2. Da gebe ich dir grundsätzlich recht! Berufspendler haben nicht immer einen großen Koffer dabei, den man am besten mit dem Auto transportiert. Wenn es flächendeckende fixe Busverbindungen gäbe, sicher eine bessere Lösung als den ganzen Tag über unzählige Autos in der Stadt aufzubewahren, bis sie abends wieder abgeholt werden… Derzeit ist es in jedem Fall unbefriedigend für alle Beteiligten.

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  3. Morgens habe ich Glück, ich kann den Bus um 8 Uhr nehmen und um 8:23 in den Zug steigen. Abends würde ich mir eine vernünftige Verbindung wünschen. Der RE Richtung Flensburg kommt um 20:08 am Bahnhof in Elmshorn an. Der nächste Bus fährt um 20:32. Bis dahin bin ich nach hause gelaufen. Es sei denn, es schüttet wie aus Eimern, dann drücke ich mich fast eine halbe Stunde unter dem Vordach zwischen Stielke und Bieberstein herum. Ich pendle täglich 3 Stunden. Wenn ich dann unseren Herrn Bürgermeister höre, der das Pendeln per Zug offenbar noch unattraktiver machen will, wundert es mich nicht, wenn die A23 von Jahr zu Jahr voller wird…
    Und ja, ich stimme zu, das Parkdeck ist zu klein. Und die Lösung ist auch nicht, dort kostenpflichtige Parkplätze zu errichten. Bessere Busverbindungen und mehr kostenlose Parkplätze – das kostet natürlich Geld – aber soetwas nannte man früher „Inestition in Infrastruktur“ – die Zahlen der Reisenden am Elmshorner Bahnhof sind nunmal enorm hoch, gerade als Nadelör in den Norden. Entsprechend denke ich, dass es hier genug Adressaten gäbe, um sich die Investitionen zu holen. Sowohl alles nördlich von Elmshorn als auch Hamburg profitieren von der Bahnverbindung Nord Süd. Ich sehe nicht ein, dass dieser enorme Verkehr und die Wichtigkeit der Bahnschnittstelle Elmshorn auf dem Rücken der Elmshorner Pendler ausgetragen wird.

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