Elmshorn für Anfänger

Geschichten von einer, die auszog, im Hamburger Speckgürtel zu leben. Eine pragmatische Liebeserklärung.

Vier Jahre nach unserem Umzug: Ich bin angekommen in Elmshorn

Ein Kommentar

Facebook ist ja eine tolle Sache. Seit neuestem erinnert es mich an Dinge, die ich in den vergangenen Jahren am selben Datum einmal zum besten gegeben habe. Und da wir vor vier Jahren an Pfingsten von Hamburg-Langenhorn nach Elmshorn gezogen sind, sind dieser Tage auffällig viele Facebook-Erinnerungen mit Bildern von Umzugskartons dabei. Was mich veranlasst, einmal nachzudenken, wie es mir jetzt so geht in Elmshorn.

Vor genau vier Jahren herrschte arbeitsames Chaos in unserem frisch erworbenen Haus. Und Facebook weckt mit seiner Erinnerungsfunktion dieser Tage das eine oder andere vergessene (oder verdrängte?) Erlebnis wieder zutage. Zum Beispiel einen eigentümlichen Dialog, den ich mit dem Lieferanten unserer Küche führen durfte. Da teilte ich meinen Facebook-Freunden am 14. Mai 2012 nämlich mit: „Der Lieferant von Hermes, der für Ikea ausliefert, war zwar fix, aber kein sehr geschickter Kommunikator: „Ah, ein nettes altes Haus heben Sie hier!“ Ich: „Naja soooo alt ist es noch gar nicht…!“ Er: „Die Böden sind aber kein Echtholz, oder?“ Ich: „Doch, sind sie…“ Er: „Wollen Sie die noch abschleifen lassen?“ Ich: „Die HABEN wir schon abgeschliffen und geölt!“ Kein aussichtsreicher Dialog. Die Krönung war sein letzter Satz: Während sein stummer Kollege allein wie Obelix mit einem Hinkelstein den Kühlschrank reinschleppte, meinte er: „Na dann können wir zwei Hübschen ja schon mal den Papierkram erledigen.“ Der war NULL hübsch! Naja, zum Glück kein wichtiger Mann in meinem Leben…“

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In diesen Kartons steckten alle Einzelteile, die einmal unsere Küche werden sollten

Der typische Hamburger verlässt seine „Perle“ nur ungern

Derlei schöne Anekdoten sammelt man leider nicht ständig, wenn man einfach nur still vor sich hinlebt in seinem Haus, sondern vorzugsweise in Extremsituationen wie Renovierung und Umzug. Ich bin dennoch froh, dass vorerst kein weiterer Ortswechsel ansteht. Denn mittlerweile gefällt es mir richtig gut in Elmshorn. Was anfangs eine durch und durch pragmatische Entscheidung war (Stichwort Immobilienpreise in Hamburg im Vergleich zum Umland), ist heute ein heimeliges Gefühl. Ich finde das durchaus bemerkenswert, denn der typische Hamburger (ob nun geboren, gebürtig oder zugereist) verlässt seine „Perle“ ja gemeinhin nur sehr ungern. Und ich war durchaus ein typisches Exemplar: Nach dem Abitur zum Studieren in die Hansestadt gezogen und nie einen triftigen Grund gefunden, wieder wegzuziehen.

Liebes Hamburg, eigentlich habe ich dich nicht verlassen!

Mein Umzug in die schleswig-holsteinische „Provinz“ erschien mir anfangs deshalb ein ganz kleines bisschen wie ein gemeiner Verrat an meinem geliebten Hamburg. Ich entschuldigte mich damit, dass Elmshorn ja durchaus zur Metropolregion Hamburgs zu zählen ist und ich deshalb eigentlich nie wirklich weggezogen bin. Ich fand es beruhigend, dass die Bahn nur 25 Minuten von hier zum Dammtor braucht (der Regionalexpress sogar nur 21 Minuten). Ich las weiter das Hamburger Abendblatt und interessierte mich nicht übermäßig für schleswig-holsteinische Landes- oder Elmshorner Lokalpolitik.

Ich merke, dass ich in Elmshorn willkommen bin

Ich weiß nicht genau, wann sich das begann zu ändern. Doch nach und nach bin ich immer mehr hier angekommen, hier in Elmshorn und Schleswig-Holstein. Inzwischen würde ich tatsächlich sagen, Elmshorn ist „meine Stadt“ geworden. Was zum einen vielleicht an den schönen Radstrecken am Deich liegt, an der Nähe zum Elbstrand in Kollmar, an den kurzen Wegstrecken innerhalb Elmshorns, die ich alle mit dem Fahrrad bewältigen kann, oder an Skurrilitäten wie der Fähre Kronsnest. Aber zu einem großen Teil auch daran, dass ich durch meine ehrenamtliche Tätigkeit für das Willkommensteam für Flüchtlinge auch selbst spüre, dass ich willkommen in dieser Stadt bin. Weil ich darüber viele Menschen kennen gelernt habe, die in wesentlichen Fragen ähnlich ticken wie ich. Auch über den Laufkurs, den der EMTV jährlich im Vorfeld des Elmshorner Stadtlaufes anbietet, habe ich tolle Menschen kennen gelernt. Mittlerweile sehe ich beim Einkaufen in der City immer häufiger bekannte Gesichter (das ist nämlich kein Selbstgänger, wenn man neu in eine Stadt zieht und als Freiberufler ohne schulpflichtige Kinder allein zu Hause arbeitet – in so einer Situation muss man sehr aktiv auf Menschen zugehen, wenn man Anschluss finden möchte). Auch das gibt mir das Gefühl, hier zu Hause zu sein. Im echten Norden, dessen Kampagne ich übrigens ziemlich witzig finde. Sorry, mein liebes Hamburg. So langsam erlebe ich dich mehr als Touristin denn als überzeugte Hanseatin…

Ein Kommentar zu “Vier Jahre nach unserem Umzug: Ich bin angekommen in Elmshorn

  1. Geht mir genauso, obwohl ich sogar gebürtige Hamburgerin bin und mir mehr als 40 Jahre lang im Traum nicht eingefallen wäre wegzuziehen. Einen Ausflug nach Hamburg gibt es jetzt nur noch zu sehr speziellen Gelegenheiten wie z.B. Konzerten oder Klassentreffen. Ansonsten kann ich mittlerweile sehr gut auf die gestressten Hanseaten und starkes Verkehrsaufkommen verzichten 😉

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