Elmshorn für Anfänger

Geschichten von einer, die auszog, im Hamburger Speckgürtel zu leben. Eine pragmatische Liebeserklärung.

Kleine Korrektur: Krähen sind doch weit weniger gefährlich!

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Es hat zwar keiner meiner Leser gemerkt, aber mein mathematisch begabter Mann: In meinem Blogbeitrag vor ein paar Tagen habe ich das Risiko, in Elmshorn Opfer eines Krähenangriffs zu werden, falsch berechnet. Hier findet ihr nun die korrekte Rechnung.

Wie auch immer die Rechnung ausfällt, ich mag die Elmshorner Saatkrähen nicht. Doch ich habe fälschlicherweise ausgerechnet, dass Jahr für Jahr jeder 200. Elmshorner Opfer einer Krähenattacke wird – zumindest statistisch gesehen, wenn man die Zahlen aus Hamburg mit der Elmshorner Menschen- und Krähenpopulation ins Verhältnis setzt. Der Polizei Schleswig-Holstein war mein Rechenfehler nicht aufgefallen, obwohl sich die Pressestelle über meine Anfrage nach der Zahl der gemeldeten Krähenübergriffe in Elmshorn gefreut und gleich landesweit recherchiert hatte. Ergebnis: Es sind in den vergangenen Jahren weder in Elmshorn, noch in Kiel überhaupt irgendwelche solcher Angriffe angezeigt worden. „Das scheint landesweit kein Thema zu sein“, meinte Nico Möller von der Pressestelle, der mich anrief um mir die Resultate der polizeilichen Recherchen mitzuteilen.

NABU verteidigt Krähen: Sie schützen nur ihren Nachwuchs!

Auch der Naturschutzbund Elmshorn, dem ich ebenfalls einen Link zu meinem Blogbeitrag geschickt hatte, ist meiner unabsichtlichen Falschberechnung nicht auf die Schliche gekommen. Dies ist die Mailantwort, die ich auf meine Bitte um Kommentar erhielt:

Hallo Frau Thiel,

danke für Ihre Anfrage.

In Elmshorn gibt es eine hartnäckige Fraktion von Krähenhassern, die diesen Vögeln alle möglichen Schandtaten anzudichten versuchen.

Attacken von Saatkrähen auf Passanten gehört jedoch noch nicht zum ortsüblichen Repertoire. Mir selbst sind solche Attacken auch nicht bekannt. Auch die Literatur gibt darüber keine Auskunft.

Attacken gibt es jedoch in sehr seltenen Fällen bei Greifvögeln, die Personen attackieren, wenn diese das Nest oder die Jungvögel bedrohen. Die Eltern verteidigen schlichtweg ihren Nachwuchs gegen ihre Feinde. Gleiches gilt in verstärktem Maße für z.B. auch für Seeschwalben, die Eindringlinge in ihre Kolonien auf das heftigste angreifen können.

Ich hoffe, Ihnen damit in aller Kürze vorerst gedient zu haben. Melden Sie sich gerne, falls weiterer Informationsbedarf besteht.

Beste Grüße

Hans Helmut Dürnberg, Vors. NABU Elmshorn

Ich fürchte, für den NABU zähle ich nun zu der „hartnäckigen Fraktion von Krähenhassern“. Doch ich habe es eigentlich gar nicht nötig, den Tieren Schandtaten anzudichten – es sei denn, man möchte dies als Lyrik bezeichnen. Ich nenne es einfach Scheiße.

2013-05-27 23.03.49 Kopie

Lyrik oder Scheiße? Das habe ich den Krähen ganz bestimmt nicht nur angedichtet…

Es ging nicht um Krähenhass, sondern um statistische Wahrscheinlichkeit

Mit meinen Berechnungen wollte ich auch nicht das normale Verhalten der Krähen kritisieren, die natürlich ihre Jungtiere schützen, wenn sie sie in Gefahr wähnen. Ich wollte lediglich anhand der Zahlen aus Hamburg (5.000 Krähenpaare, 1.800.000 Einwohner, 2-3 Krähenangriffe pro Jahr) versuchen, die statistische Wahrscheinlichkeit für einen solchen Angriff in Elmshorn ableiten. Die Mathematik ist ja von Haus aus eine sehr neutrale Wissenschaft. Doch in die hohe Kunst der Mathematik können sich viele Fehler einschmuggeln, die dem Laien gar nicht auffallen – so auch in meine Berechnung.

Ich will nicht Auslöser für eine Krähgida-Bewegung in Elmshorn werden

Bei uns zu Hause gibt es zum Glück jemanden, dem solche Unstimmigkeiten auffallen: meinen Mann, seines Zeichens Ingenieur und mathematisch nicht nur interessiert, sondern auch begabt. Er liest gern Bücher über Logik, Statistik und Kryptologie und ist ein großer Fan der Autoren Dubben und Bornholdt, bei denen sogar ich einmal ein Seminar über den Umgang mit Statistiken im journalistischen Alltag besucht und deren Buch Schein der WEisen ich begeistert gelesen habe.  Nun, meinen mathematischen Grundfertigkeiten hat es offenbar nicht so viel gebracht. Umso dankbarer bin ich, dass Christoph meine Krähenrechnung korrigiert hat. Denn so wenig Sympathien ich auch für das schwarze Federvieh hege, so ungern möchte ich für das Aufkommen eine Krähgida-Bewegung in Elmshorn verantwortlich gemacht werden.

Hier also Christophs Berechnung, die ich aufgrund der enthaltenen Formeln leider nicht aus Word nach WordPress kopieren konnte und stattdessen als pdf-Datei abgespeichert habe:

Berechnung Krähenangriffe[1]

Zur Erläuterung: KP = Krähenpaare, EW = Einwohner, A = Angriff

Fazit: In Elmshorn kommt es (statistisch gesehen, wenn auch nicht polizeilich bestätigt) zu 0,05 Krähenangriffen pro Jahr. Was nicht nicht so viel ist, als dass ich weiter mit Helm das Haus verlassen müsste. Aber dennoch ist das Risiko mehr als 7-mal so groß wie in Hamburg. Und das wäre doch eigentlich eine Schlagzeile für die BILD-Zeitung, oder?

2 Kommentare zu “Kleine Korrektur: Krähen sind doch weit weniger gefährlich!

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