Am 27. und 28. Juni öffnen die Mitglieder mehrerer Landesverbände für angewandte und bildende Kunst ihre Ateliers dem interessierten Publikum. Über 110 Kunstschaffende zeigen in ihren Ateliers, Werkstätten und Galerien ein breites Spektrum aus den Bereichen Metall, Keramik, Holz, Textil, Glas, Papier, Malerei, Grafik, Skulptur, Foto/Video, Objekt und Installation.
In Elmshorn machen zwei Künstler bei dem jährlich stattfindenden Sommeratelier mit: Jan Eustergerling und Anders Petersen. In Jans Atelier ist an dem Wochenende auch die Pinneberger Künstlerin Inken N. Woldsen zu Gast und zeigt ihre Werke. Alle teilnehmenden Ateliers haben an dem Wochenende von 11 bis 19 Uhr für Interessierte geöffnet – schaut also gern einmal vorbei!
Blick hinter die Kulissen in anders.art.atelier
Anders Petersen ist Kunstinteressierten in Elmshorn vermutlich ein Begriff, denn er ist ein alteingesessener Elmshorner, war von 1997 bis 2017 im Vorstand des Kunstvereins Elmshorn aktiv und wurde 2002 als Erster mit dem neu geschaffenen Kulturpreis der Stadt Elmshorn ausgezeichnet. Er engagiert sich im Kuratorium Denkmalschutz, im Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler, im Landeskulturverband Schleswig-Holstein und in der Kunstkommission des Landes, um nur einige seiner vielen Ämter und Aufgaben zu nennen. Ich durfte ihn im Rahmen meiner Porträtreihe für das Elmshorner Stadtmarketing kennen lernen – hier könnt ihr das Porträt noch einmal nachlesen. Damals habe ich schon eine kleine Exklusivführung durch sein Atelier bekommen und kann euch sagen: Das lohnt sich definitiv! Wenn ihr Lust habt, ebenfalls einmal hinter die Kulissen zu schauen, steuert nächstes Wochenende also anders.art.atelier (Klostersande 82, 25336 Elmshorn) an.
Anders Petersen bei meinem Besuch in seinem Atelier 2024
Abstrakte Zeichnunen und Tuschearbeiten
Mit Jan Eustergerling bin ich befreundet, seit ich 2020 während der Corona-Pandemie über seine virtuelle Vernissage gestolpert bin und ihn eine Weile später dann bei seiner Ausstellung auf der Cap San Diego in Hamburg persönlich kennen gelernt habe. Er hat sein Atelier vor 3 Jahren von Altona nach Elmshorn verlagert. Jans Fokus liegt vor allem auf abstrakten Zeichnungen, Arbeit mit Dynamik, Strukturen und viele Varianten der Arbeit mit Tusche stehen im Vordergrund – in letzter Zeit hat er auch unter dem Stichwort „kleine Kunst“ viele Miniaturformate gezeichnet. Beim Besuch in seinem Atelier und Garten könnt ihr euch auch mit Getränken, Spundekäs und Brezeln stärken. Ihr findet ihn unter der Adresse Hainholz 10, 3 Minuten von der Haltestelle Hainholz entfernt. Telefonisch erreicht ihr Jan unter 0173 6008213, per Mail unter k@janeustergerling.de.
Tuschearbeit von Jan Eustergerling
Unterirdische Lagerung hinterlässt Spuren auf Stoff und Papier
Bei Jan zu Gast ist auch die Pinneberger Künstlerin Inken N. Woldsen, überregional bekannt und seit den 70er Jahren künstlerisch tätig. Sie arbeitet mit Verwitterungs-Vorgängen der Natur: lange mit Papier, dann mit Tüchern. Ich kenne sie bislang nicht, habe auch ihre Werke noch nicht gesehen. Doch in einem Katalog kann man Folgende nachlesen: „Sie entwickelte eine Arbeitsweise, die sie bis heute anwendet: entsprechend einer geplanten kompositorischen Ordnung schlägt sie ausgewählte Eisenstücke in den Stoff ein, verschnürt die Pakete mit Draht und vergräbt sie im Erdboden. Zu einem späteren – von Feuchtigkeit und Temperatur abhängigen – Zeitpunkt werden die Pakete an die Oberfläche geholt, behutsam geöffnet, die Stoffe dann gesäubert, getrocknet, geglättet und auf Papier aufgezogen. Durch das Aufziehen werden die manchmal recht fragilen Tücher haltbar gemacht. Sichtbares Resultat der unterirdischen Lagerung sind farbige Spuren sowohl der durch die Feuchtigkeit korrodierten Drähte und Metallstücke als auch – in unterschiedlicher Intensität – der zahlreichen sich im Erdboden befindenden Pigmente.“ Und nun kommt der Clou: Bei entsprechendem Wetter wird sie nächstes Wochenende gemeinsam mit Jan in dessen Garten eine Vergrabeaktion durchführen, Gäste können also live dabei sein, wenn mit ihrer ungewöhnlichen Methode Kunst entsteht.
Stoffkunst von Inken N. Woldsen
Nutzt nächstes Wochenende also gern die Gelegenheit, Kunstschaffende aus Elmshorn und Pinneberg in ihrem natürlichen Habitat zu beobachten und mit ihnen ins Gespräch über ihre Kunst zu kommen!