Elmshorn für Anfänger

Geschichten von einer, die auszog, im Hamburger Speckgürtel zu leben. Eine pragmatische Liebeserklärung.

Was tun gegen vermüllte Meere, eine vermüllte Erde, ein vermülltes Elmshorn?

2 Kommentare

Ist euch beim Schlendern durch die Königstraße schon aufgefallen, dass sich die Schaufensterdekoration in dem leerstehenden Laden gegenüber von Tschibo verändert hat? Der Laden, dessen Schaufenster in letzter Zeit immer von Ramelow als zusätzliche Werbefläche genutzt wurden? Falls nicht: Bleibt einmal stehen und schaut hin. Es geht um Müll.

Ich selbst wurde stutzig, als ich aus den Augenwinkeln registrierte, dass da Einwegplastikflaschen an Seilen, wie Aufgehängte an einem Galgen, von der Decke hingen. Im anderen Schaufenster zu sehen: Ein Baumgerippe, an dem Plastiktüten hängen. „Eigenartige Art, wie Ramelow nun für Mode zu werben möchte“, dachte ich erst. Und dann schaute ich näher hin. Doch aktuell geht es in den Schaufenstern nicht um die modischen Sommertrends 2018, sondern um das Thema Plastikmüll, dem sich eine Künstlerin mit eigenwilligen Installationen genähert hat.

Wer zu Fuß geht, sieht unsere vermüllte Stadt mit anderen Augen

Nun muss diese Form der Darstellung (die man auf meinen Fotos zugegebenermaßen wegen der Spiegelung ohnehin nicht gut erkennen kann…) ja nicht jedermanns Geschmack sein. Doch mich erinnerte sie daran, dass ich seit Längerem hier etwas über die Vermüllung von Elmshorn schreiben möchte. Sie fällt besonders auf, wenn man sich zu Fuß durch die Stadt bewegt, also in entsprechend gemächlichem Tempo und etwas näher an der Erdoberfläche als auf dem Fahrrad oder im Auto.

Bei McDonalds gekauft, beim Fahren runtergeschlungen, Müll zack aus dem Fenster

Als ich vor einer Weile mein Auto beim VW-Autohaus abholen ging und den Fahrservice ausschlug, um an meinem sitzenden Bürotag wenigstens ein paar Schritte in Bewegung zu sein, spazierte ich zum Beispiel an der Wittenberger Straße in Richtung Hamburger Straße und war schockert, wie viel Müll dort am Straßenrand lag. Übrigens vornehmlich Verpackungen von McDonalds und Burger King, die wenige hundert Meter weiter ja ihre Filialen betreiben (ich nenne das bewusst nicht „Restaurants“). Was offenbar bedeutet, dass es nicht wenige Zeitgenossen gibt, die dort im Vorbeifahren Burger, Fritten & Co. kaufen, beim Fahren schnell runterschlingen, dann die Autoscheibe herunterfahren lassen und den Müll in die Landschaft werfen.

Kippen, Plastiktüten, Verpackungen, Babywindeln, Elektrogeräte auf der Straße

Hässliche Bilder kann man auch machen, wenn man in der Innenstadt den Blick nach unten richtet und sich die Fahrbahn- oder Gehsteigränder einmal näher anschaut. Da liegen Kippen, Plastiktüten, Verpackungen von Schokoriegeln und anderen Fressalien, zum Teil auch gebrauchte Babywindeln herum. Altkleidercontainer quellen über, doch trotzdem quetschen Menschen ungerührt immer noch weitere aussortierte Klamotten in die Klappen oder legen sie einfach davor ab. Vor einem Altglascontainer an der Gärtnerstraße stand neulich ein alter Trockner. Da frage ich mich wirklich: Wie stumpf kann man sein? Das macht doch enorm viel Arbeit, so einen Trockner aus der Wohnung bis zu so einem Altglascontainer zu transportieren – vermutlich wohlwissend, dass er dort ganz sicher nicht hingehört. Wie viele Menschen sind derart gedankenlos oder gleichgültig, dass sie einfach ihren Müll stehen- und fallenlassen, wo es ihnen gerade einfällt? Wird schon irgendwer wieder wegräumen? Wie kann man nur so nachlässig sein?

Gleichzeitig sind die Medien voll mit Nachrichten über Plastik im Meer, in der Nahrungskette, überall. Mikroplastik in Kosmetika (angeblich überhaupt nicht gefährlich…), Plastikschnitzel in der Schlei (weil Lebensmittelabfälle auch in Plastik verpackt in die Kompostieranlage eingeliefert werden dürfen), Einwegbesteck und Plastik-Wattestäbchen in den Nasen von Schildkröten und in den Bäuchen von Walen, die ohne die Hilfe von Tierschützern kläglich verenden würden. Mich kotzt das an. Und ich möchte mich zumindest in meinem beschränkten Aktionsradius so verhalten, dass von meiner Lebensweise weniger Vermüllung und Verschmutzung ausgeht.

Nun bin ich kein Asket. Ich habe Freude an schönen Dingen, ich kaufe (auch) im Supermarkt ein und kann mich nicht den ganzen Tag ausschließlich mit einer umweltfreundlichen Lebensweise beschäftigen, weil ich natürlich in erster Linie mein Geld verdienen muss. Doch mein Mann und ich haben ein paar Dinge umgestellt und verfolgen damit das Ziel, zum einen weniger Plastikmüll zu produzieren und zum anderen generell ressourcenschonender zu leben.

  • Stichwort Kosmetik. Wir brauchen unsere restliche Flüssigseife im Plastikspender auf und kaufen nur noch Seife am Stück für’s Händewaschen am Waschbecken. Beim Duschen sind wir auch testhalber auf Seife am Stück (Olivenöl-Seife, wir haben sie beim Denn’s Biomarkt gekauft) umgestiegen, doch das Gefühl auf der Haut ist zumindest gewöhnungsbedürftig, und für empfindliche Hautpartien nutze ich dann doch lieber ein Duschöl für sensible Haut. Ansonsten achten wir mittlerweile genau auf die Liste der Inhaltsstoffe und kaufen keine Kosmetik, in der Mikroplastik enthalten ist. Die Substanzen, nach denen man Ausschau halten sollte, heißen Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polyethylenterephthalat (PET), Nylon-12, Nylon-6, Polyurethan (PUR), Acrylates Copolymer (AC), Acrylates Crosspolymer (ACS), Polyacrylat (PA), Polymethylmethacrylat (PMMA) oder Polystyren (PS), mehr Informationen zur Vermeidung von Mikroplastik findet man in einem Einkaufsratgeber des BUND. Inzwischen ist auch mein Mann Christoph, der sein Leben lang großer Nivea-Fan war, bei Naturkosmetik angelangt.
  • Stichwort Getränke. Wir haben bereits in der Vergangenheit keine Getränke in Einwegflaschen (erkennbar am Einwegpfand von 25 Cent pro Flasche) gekauft, sondern regionales Mineralwasser, Saft oder Bier in Mehrwegflaschen aus Glas. Doch auch das lässt sich verbessern: Schließlich steht uns in Deutschland hervorragendes Trinkwasser zur Verfügung, das nicht aufwändig in Kästen durch die Gegend gekarrt werden muss. Bei uns gibt es nun also vorwiegend die Marke Bad Kraningen, gern versetzt mit Zitrone. Hat jemand einen Tipp für einen Wassersprudler, bei dem man auch Flaschen aus Glas verwenden kann? Das wäre dann unser nächster Schritt, damit wir auch Sprudelgetränke aus dem Wasserhand trinken können.
  • Stichwort Plastikverpackungen. Unser Ziel ist es, nur noch halb so viel Plastikmüll zu produzieren wie bisher. Messbar ist das an der Zahl der gelben Säcke, die wir an den Sammeltagen an die Straße legen. Das bedeutet, im Supermarkt nicht die in Plastikschalen verpackten Pfirsiche oder Tomaten auszuwählen, sondern die losen zum Abwiegen. Bei Edeka Hayunga kann man hierfür auch Papiertüten benutzen, in anderen Supermärkten halt die dünnen Plastiktüten (die aber immer noch weniger Plastikmasse haben als so ein in Plastikfolie eingeschweißter Plastikträger). Unsere Milch beziehen wir seit geraumer Zeit mit unserer Biokiste vom Hof Dannwisch. Sie wird in Pfandflaschen aus Glas geliefert, ebenso wie Joghurt vom Hof Dannwisch. Was mir zu denken gibt: Die Produkte von Dannwisch sind preislich kein Schnäppchen. Und auch im Discounter ist das Gemüse und Obst, das lose zum Abwiegen angeboten wird, in der Regel teurer als die in viel Plastik eingeschweißten Kilo-Packungen. Muss das wirklich sein? Es ist doch bescheuert, wenn Müllvermeidung sich mit kleinem Geldbeutel nicht bewerkstelligen lässt! IMG_9859.jpg
    Ein weiteres Problem offenbarte sich zu Beginn der Gartensaison, als wir ein paar Beete mit neuen Stauden bestücken wollten. Pflanzen im Gartencenter werden in aller Regel im Plastik-Blumentopf verkauft. Wenn die Beete sagen wir mal 30 neue Stauden benötigen, kommt eine riesige Menge Plastikmüll zusammen. Ich habe erst einmal beim Obi Blumentöpfe aus kompostierbarem Material gesehen, in denen Küchenkräuter verkauft wurden. Das wäre doch auch mal ein Ansatzpunkt, oder?

Was unternehmt ihr, um (Plastik-)Müll zu vermeiden? Habt ihr Tipps für mich, wo ich in Elmshorn Dinge kaufen kann, die nicht unnötig verpackt sind?

 

2 Kommentare zu “Was tun gegen vermüllte Meere, eine vermüllte Erde, ein vermülltes Elmshorn?

  1. Hallo:) Euer Beitrag klingt großartig und auch wir versuchen auf Plastik und generell Verpackung zu verzichten. ‚Wir‘ sind Mama, Papa und drei Kinder und ich denke, wir sparen einiges an Müll ein. Alle vier Wochen fahren wir zum ‚Stückgut‘ in die Rindermarkthalle und kaufen dort die wichtigsten Dinge, die es unverpackt in Elmshorn sonst nicht gibt! Obst und Gemüse kommt aus der Kiste von Schümanns und Milch und Joghurt von Dannwisch!
    Ein Traum wäre ein Unverpackt Laden in Elmshorn! Als Betriebswirtin hätte ich großes Interesse an einer Eröffnung eines solchen Ladens-nun fehlt mir zur Zeit ein Geschäftspartner.
    Vielleicht finde ich über Eure Seite jemanden, der
    – betriebswirtschaftliche Kenntnisse hat
    – Vorkenntnisse im Bereich (Bio-) Lebensmittelverkauf aufweist
    – genügend Zeit mitbringt
    – Interesse hat, einen solchen Laden in Elmshorn zu eröffnen und zu führen
    – die Stadt und ihre Umgebung ein Stück verpackungsfreier zu machen
    Ich freue mich auf Antworten!

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  2. Pingback: Weniger Plastikmüll, weniger unnötiger Konsum – auf in ein nachhaltigeres neues Jahr! | Elmshorn für Anfänger

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