Elmshorn für Anfänger

Geschichten von einer, die auszog, im Hamburger Speckgürtel zu leben. Eine pragmatische Liebeserklärung.

Fahrradklimatest in Elmshorn: Da ist noch viel Luft nach oben!

Ein Kommentar

Aktuell läuft eine bundesweite Online-Umfrage des ADFC in deutschen Städten, in der es darum geht, als wie fahrradfreundlich Menschen ihre eigene Stadt wahrnehmen. Ich habe mittlerweile an der Umfrage teilgenommen. Und musste Elmshorn als Radfahrerin leider ein ziemlich schlechtes Zeugnis ausstellen.

Eigentlich hat Elmshorn beste Voraussetzungen, eine tolle Fahrradstadt zu sein. Die Stadt hat eine Größe, aufgrund derer man eigentlich alles prima mit dem Fahrrad erreichen kann. Die kurzen Wege von meinem Zuhause in die Innenstadt, zum Einkaufen, zum Bahnhof und zu den von mir frequentierten Arztpraxen sind mit von Anfang an sehr positiv aufgefallen. Und so erledige ich auch gern viele meiner kurzen Wege in der Stadt per Fahrrad. Im Sommer schwinge ich mich außerdem auch gern auf mein Rennrad und flitze zum Beispiel am Krückaudeich entlang Richtung Elbe.IMG_5942

Ich gebe meine Anonymität auf und verrate euch meine Antworten

Dabei fällt mir als Radfahrerin natürlich allerhand auf, und ich finde es gut, dass ich bei der aktuellen Umfrage zur Fahrradfreundlichkeit einmal meine Meinung zu einer Reihe von Punkten kundtun konnte. Habt ihr schon mitgemacht? Es ist ganz einfach: Man klickt auf dieser Seite des ADFC-Fahrradklima-Tests auf den pinkfarbenen Button und hangelt sich innerhalb von maximal 10 Minuten durch einen umfassenden Fragenkatalog. Bei jeder Frage kann man bewerten, ob man dieser oder jener Aussage zustimmt oder eben nicht. Eigentlich ist die Befragung anonym: Man wird lediglich aufgefordert, seine Postleitzahl, sein Alter und sein Geschlecht anzugeben. Doch ich gebe an dieser Stelle mal ganz mutig meine Anonymität auf und verrate euch, wie ich auf einzelne Fragen geantwortet habe.

Berichterstattung in den Medien? Wenn ich da an die Rennrad-Diskussion denke…

Ich fahre in der Regel mehrmals pro Woche Fahrrad und radele sowohl auf alltäglichen Wegen als auch in der Freizeit/auf Radtouren. Ich finde, Fahrradfahren in Elmshorn macht so lala Spaß und Radfahrer werden so lala als Verkehrsteilnehmer akzeptiert. Soweit ich es beobachte, fahren tatsächlich alte wie junge Menschen in Elmshorn Fahrrad und es wird auch viel für das Radfahren geworben. Leider wird in den Medien nicht unbedingt positiv über Radfahrer berichtet. Ich denke da insbesondere an die Berichterstattung über Konflikte zwischen Rennradfahrern und Autofahrern mit den unseligen Entgleisungen des stellvertretenden Bürgermeisters von Haselau, über die ich an dieser Stelle schon einmal berichtet hatte.

Vor dem Croque-Imbiss am Flamweg parken regelmäßig Autos auf dem Radweg

Dass bei uns in jüngster Zeit besonders viel für den Radverkehr getan wurde, kann ich nur bedingt bejahen. Es wurden zwar auf einigen Straßen Fahrradstreifen angelegt. Doch gleichzeitig existiert der Fahrradweg auf dem Gehweg weiter, im Kreuzungsbereich endet der Fahrradstreifen auf der Fahrbahn auf einmal im Nichts – das empfinde ich zwar als nett gewollt, aber dann doch nicht ganz zu Ende gedacht. Oder vielleicht auch nicht einfach mal mit dem Fahrrad probegefahren. Ähnlich denke ich über die Frage, ob die Stadt es ausreichend streng überwacht, dass Autos nicht auf Radwegen parken. Für mein Empfinden tun das leider ziemlich viele Autofahrer. Ich sehe zum Beispiel oft Autofahrer, die „nur ganz kurz!“ vor dem Croque-Imbiss am Flamweg anzuhalten. Klar, ein Croque ist schließlich Fast Food, geht ganz schnell, stört also keinen? Merke: Auch der Warnblinker ändert nichts an der Tatsache, dass das Fahrzeug den Radweg blockiert. Hier könnte man gern mal ein bisschen rigider durchgreifen. Ob die Ampelschaltungen auf Radfahrer abgestimmt sind, ist eine lustige Frage. Hat irgendjemand schon irgendwo mal eine Stadt gesehen, in der das der Fall wäre? Immerhin geht es in Elmshorn in diesem Punkt gerecht zu: Die Ampelschaltungen sind hier ja auch nicht auf Autofahrer abgestimmt, entsprechende Berichte zum Thema „grüne Welle“ entpuppen sich hier allenfalls als Aprilscherz.

Jeder Meter schlechter Fahrbahnbeläge ist ein Angriff auf das Schambein

Als Radfahrerin fühle ich mich in Elmshorn zwar nicht massiv gefährdet, aber auch nicht wirklich sicher. Wenn ich statt auf dem maroden Radweg auf der Straße fahre, werde ich doch häufiger mal von unfreundlich gestikulierenden Autofahrern angehupt – innerorts ebenso wie außerorts. Dabei sind viele Radwege einfach eine Zumutung, was die Fahrbahnbeläge, die Wegeführung oder die Breite anbelangt. Ich fahre gern (und zwar nicht nur auf dem Rennrad) zügig Rad. Wer nur mit 10 km/h unterwegs ist, bemerkt die vielen Schlaglöcher, Unebenheiten, durch Wurzelwerk angehobenen Pflastersteine oder Risse im Asphalt vielleicht nicht. Doch bei 20 km/h ist jeder Meter derart schlechter Fahrbahnbeläge ein Angriff auf das Schambein. Autsch. Und wenn vor mir eine Omi sich ganz langsam auf ihrem Fahrrad dahinrollen lässt, zwischendurch zweimal in die Pedale tritt und dann gleich wieder gemütlich ausrollt, dann habe ich auf den schmalen Radwegen keine Chance, sie gefahrlos zu überholen.

Es fehlen sicher Abstellmöglichkeiten für Fahrräder

Zum Thema Sicherheit vor Diebstählen brauche ich wohl nicht viel zu sagen. Es ist schließlich bekannt, dass die Gegend um den Holstenplatz bzw. neuerdings eher auf der anderen Seite des Bahnhofs ein Mekka für Fahrraddiebe ist. Mir persönlich ist zwar noch nie auf diese Weise ein Fahrrad abhanden gekommen, doch man überlegt sich doch besser, ob man seinen teuren Drahtesel wirklich längere Zeit abgeschlossen, aber unbeaufsichtigt in der Stadt parken muss. A propos parken: Ich mag die Fahrradständer vor der Nikolaikirche am Alten Markt. Aber ansonsten fehlen mir in der gesamten Königstraße Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Und wer als Pendler die bewachten Fahrradparkplätze am Bahnhof nutzen möchte, der sollte sich am besten gleich jetzt um einen Platz bewerben, damit seine Enkel ihn irgendwann einmal nutzen können.

Ein Leihfahrradsystem wäre für Elmshorn wohl überdimensioniert

Mit dem Fahrrad im öffentlichen Nahverkehr hat man hier in Elmshorn vermutlich schlechte Karten, doch ich persönlich nutze die Stadtbusse nicht und kann in diesem Punkt daher nur mutmaßen. Ganz sicher jedoch weiß ich, dass es keine Stationen mit Leihfahrrädern in Elmshorn gibt. Doch Wedel hat es vorgemacht: So ein Angebot lohnt sich erst ab einer bestimmten Größe der Stadt, das dortige E-Bike-Leihsystem hat es sogar bis ins Schwarzbuch der Steuerverschwendung für Schleswig-Holstein gebracht. Dass Elmshorn bislang keine Stadträder anbietet, finde ich daher durchaus verzeihlich.

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In Hamburg sind die Stadträder sehr beliebt. Foto: Deutsche Bahn

Mein Gesamturteil als Radfahrerin in Elmshorn lässt also in der Summe mit der Schulnote 4+ beschreiben. Da ist noch viel Luft nach oben! Wer sich ebenfalls an der Umfrage beteiligen möchte, hat noch bis Ende November Zeit. Ich bin gespannt auf die Ergebnisse!

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