Elmshorn für Anfänger

Geschichten von einer, die auszog, im Hamburger Speckgürtel zu leben. Eine pragmatische Liebeserklärung.

Die Litanei vom ES in der Königsstraße: ES ist eine bewegende Lektüre!

Ein Kommentar

Mal ganz ehrlich: Wer von meinen Lesern ist tatsächlich schon mal in der Königsstraße vor dem Möhringschen Haus, in dem die Theaterkasse untergebracht ist, stehengeblieben und hat den gesamten Text gelesen, der dort am Boden in Backsteine gebrannt zu finden ist?

Ich hatte das bis dato noch nicht getan, ES mir aber immer wieder mal vorgenommen, so nach dem Motto: „Wenn ich mal groß bin und Zeit habe, dann lese ich das aber wirklich mal von vorn bis hinten!“ ES ist ja nun mal so, dass sich der gesamte Text nicht auf einen Blick erschließt. Man muss schon immer wieder entlang der Backsteinreihen auf- und abgehen, um ihn Schritt für Schritt lesen zu können.

Nur 2.300 Schritte geschafft? Lieber Mann, wir gehen jetzt um den Block!

Gestern Abend war es für mich aber endlich soweit. Ich hatte den ganzen Tag über viel gearbeitet und mich kaum bewegt. Mein Schrittezähler, der mich daran erinnern soll, täglich mindestens 10.000 Schritte zurückzulegen, stand gegen 21 Uhr noch bei alarmierenden 2.300 Schritten. Zeit für einen kleinen Spaziergang mit meinem Mann. Der hatte zwar sein Sportpensum schon erfüllt, doch da wir uns noch kaum über unseren Tag ausgetauscht hatten, blieb ihm eigentlich keine andere Wahl als mich bei meinem kleinen Rundgang zu begleiten. Wir spazierten zur Königsstraße und wären beinahe ein weiteres Mal an dem im Boden verewigten Kunstprojekt vorbeigelaufen. Doch angesichts meines noch nicht erfüllten Schritte-Solls meinte ich: „Heute gehe ich einmal an diesem Text auf und ab, bis ich ihn ganz gelesen habe!“ Bei dem Text handelt ES sich um die „Litanei vom ES“ von Hans Magnus Enzensberger. An was ES nicht alles beteiligt ist: ES ist zum Heulen, ES ist eben so, ES ist allerhand, ES ist nicht zu fassen, ES kommt darauf an, ES wird schon werden… ES, IMMER NUR ES.

Drei Strophen à vier Zeilen à zehn Meter = jede Menge Schritte!

Das Gedicht hat drei Strophen, jede davon umfasst vier Zeilen, jede Zeile wiederum erstreckt sich über eine Strecke von etwa zehn Metern – ein Wort pro Backstein. ES erfordert also zwölfmal Auf- und Abgehen um den Text ganz lesen zu können – dabei kommen schon ein paar Schritte zusammen, und das ist gut für die Schrittebilanz (mehr über meine Erlebnisse mit meinem neuen Alltagsbegleiter namens Fitbit kann man übrigens auf meinem anderen Blog nachlesen). Ob dieser Bewegungsaspekt Teil des Konzepts der Künstlerin Susanne Kallenbach war, die im Jahre 2005 den Ideenwettbewerb „Kunst im öffentlichen Raum“ gewonnen und mit ihrem „Ziegelgedicht“ den Zuschlag für die Umgestaltung des Areals vor der Königsstraße 56 bekommen hatte?  Ich kann ES beim besten Willen nicht beantworten. Doch allen Elmshornern, die am Abend noch ein paar Schritte zu wenig auf der Uhr haben, möchte ich die bewegende Lektüre wärmstens ans Herz legen.

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