Elmshorn für Anfänger

Geschichten von einer, die auszog, im Hamburger Speckgürtel zu leben. Eine pragmatische Liebeserklärung.

Kein Fracking in Elmshorn und Umgebung: Noch mal Glück gehabt?

2 Kommentare

Die kanadische Firma PRD Energy, die eine Aufsuchungserlaubnis für Öl- und Gasfelder in Bramstedt und Elmshorn besitzt, wird sich aus Deutschland zurückziehen. Diese guten Neuigkeiten erinnerten mich heute morgen daran, dass ich mich eigentlich doch intensiv mit Fracking bzw. dem Protest gegen diese aberwitzige Energiequelle engagieren wollte.

Knapp anderthalb Jahre ist es her, dass mein Mann Christoph und ich in unserer Biokiste vom Hof Dannwisch einen kleinen Zettel mit einem Hinweis auf eine Info-Veranstaltung zum Thema Fracking fanden, die auf dem Hof Dannwisch stattfinden sollte. Denn immerhin stand zu befürchten, dass in Elmshorn und Umgebung nach Erdgas in tieferen Gesteinsschichten gesucht werden könnte, das mithilfe eines Cocktails verschiedener Chemikalien und Wasserdruck (Fracking) an die Oberfläche befördert wird. Wir waren besorgt, fuhren hin und schauten zusammen mit etwa 50 anderen Interessierten den Film „Gasland“ – ein US-amerikanischer Dokumentationsfilm über die Folgen des Frackings für die Umwelt und die Menschen, die in der Umgebung von Fracking-Gebieten leben.

Fracking? Das weckt Lust auf zivilen Ungehorsam!

Wir hatten uns zuvor noch überhaupt nicht mit dieser Technologie und ihren Auswirkungen auf die Umwelt beschäftigt. Entsprechend waren wir ganz einfach schockiert zu sehen, wie in dem Film Anwohner die Wasserhähne in ihren Häuser aufdrehten und das ausströmende Leitungswasser anzünden konnten, weil es so viel von den freigesetzten Frackinggasen enthielt. Wie zuvor kerngesunde Menschen auf einmal unter unerträglichen Kopfschmerzen und Atembeschwerden litten oder an Krebs erkrankten. Ich beschloss spontan, dass ich zu allen Formen des zivilen Ungehorsams bereit wäre, sollte Fracking in unserer Umgebung tatsächlich genehmigt werden. Sitzblockaden, mich selbst an Gleise ketten und dergleichen. So wie uns ging es den meisten der Anwesenden. Im Laufe der Diskussion ging es schnell um die Frage, ob und in welcher Form man hier in der Region den Protest organisieren könnte. Es waren ein paar erfahrene Anti-Fracking-Aktivisten aus Hamburg und anderen Regionen dabei, die mir ziemlich firm erschienen, was die Rechtslage und die Einspruchsmöglichkeiten von Bürgern angeht.

Peinlich: Trotz meiner Empörung zu keinem weiteren Treffen gegangen

Tatsächlich fand sich aus den Reihen der Teilnehmer an jenem Filmabend im Laufe der folgenden Wochen ein loser Haufen Menschen zusammen, deren Aktive sich im Sommer 2014 der Bürgerinitiative Frackingfreies Auenland anschlossen, die drei Regionalgruppen (darunter eine für den Bereich Horst/Elmshorn) betreibt. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich trotz meiner ungeheuren Empörung zu keinem der weiteren Treffen hingegangen bin. Mein Mann Christoph, dem als Windkraftexperte der Ausbau erneuerbarer Energien anstelle der Förderung fossiler Brennstoffe auch beruflich am Herzen liegt, zeigte ein bisschen mehr Ausdauer: Er führte einen kleinen Schriftwechsel mit dem Elmshorner Bürgermeister Volker Hatje, in dem er sich nach dessen Haltung zum Fracking erkundigte. Er besuchte eine Infoveranstaltung der Grünen, auf der ebenfalls über Fracking diskutiert wurde. Er teilte seine Erkenntnisse über den E-Mail-Verteiler der Anti-Fracking-Gruppe. Dann veränderte sich in seinem Berufsleben einiges, denn er machte sich mit einem Kollegen in einem kleinen Ingenieurbüro selbstständig und fand schlicht keine Zeit mehr für Anti-Fracking-Aktionen.

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Beim Willkommensteam kann ich meine Stärken besser einbringen

Ich wiederum hatte zwar jedes Mal ein schlechtes Gewissen, wenn wieder eine Rundmail der Anti-Fracking-Gruppe bei mir aufschlug. Ein bisschen fühlte ich mich überfordert von dem hochkomplexen Thema, ein wenig auch eingeschüchtert von der Sachkenntnis der erfahreneren Akteure. Doch kurz darauf entdeckte ich ein ehrenamtliches Betätigungsfeld, in dem ich meine persönlichen Stärken und Kenntnisse weitaus besser einbringen kann als beim Thema Fracking: Ich schloss mich dem Willkommensteam für Flüchtlinge Elmshorn, über dessen Aktivitäten ich hier auf dem Blog auch schon des Öfteren berichtet  habe. So viele Themen mir auch wichtig und unterstützenswert erscheinen, kann ich doch nicht „auf allen Hochzeiten tanzen“.

PRD Energy zieht sich aus Deutschland zurück

Nun konnte ich vor wenigen Tagen in der Zeitung lesen, dass die kanadische Firma PRD Energy, die eine Aufsuchungserlaubnis bzw. Explorationslizenz für Öl- und Gasfelder in Elmshorn und Bramstedt besitzt – so nennt man dass, wenn die Firma nach Rohstoffen suchen darf um daraufhin zu entscheiden, ob es sich wirtschaftlich lohnt, diese zu fördern – sich vollständig aus Deutschland zurückziehen will. In einer (nur auf Englisch verfügbaren) Pressemitteilung von PRD Energy heißt es, dass auch Änderungen bei der Vergabe von Lizenzen in Schleswig-Holstein eine Rolle bei dieser Entscheidung gespielt haben. Was alles gar nicht so einfach ist, denn jegliche Aktivitäten, die mit Rohstoffgewinnung zu tun haben, unterliegen dem Bergbaurecht und sind damit Bundessache. Bundesrecht sticht Länderrecht. Und Bergrecht sticht Bundesrecht. Oder so ähnlich. Wie gesagt, ein hochkomplexes Thema.

Etappensieg geht sicher auch auf das Konto der Anti-Fracking-Bewegung

Der aktuelle Erfolg heißt zwar noch lange nicht, dass das Thema Fracking in unserer Region endgültig vom Tisch ist. Möglicherweise werden andere Unternehmen den Rückzug von PRD Energy zum Anlass nehmen, sich um deren Explorationslizenzen zu bemühen. Doch ich bin überzeugt, dass der Widerstand aus der Bevölkerung entscheidend dazu beigetragen hat, die Menschen in Schleswig-Holstein und damit auch die Landesregierung in Kiel für das Thema zu sensibilisieren. Dafür bin ich den Aktiven der Bürgerinitiative sehr dankbar. Und hoffe, dass hier in unserer Region auch zukünftig ein Klima herrschen wird, in dem Landesregierung und Bevölkerung alle juristischen Mittel ausschöpfen, um aberwitzige Hochrisiko-Technologien wie Fracking zu verhindern. Oder zumindest den Firmen, die sich daran versuchen wollen, das Leben so schwer wie möglich zu machen.

Übrigens: Den oben genannten Film „Gasland“ besitzen wir in zwischen auf DVD. Wer Lust hat, ihn sich einmal anzusehen, kann gern einen DVD-Abend mit uns vereinbaren.

2 Kommentare zu “Kein Fracking in Elmshorn und Umgebung: Noch mal Glück gehabt?

  1. Danke für die guten Nachrichten! Ich hatte auch schon immer gedacht, dass man sich da engagieren sollte…

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  2. Pingback: Energiewende statt Fracking: Diskussion am 18.11.15 auf dem Hof Dannwisch | Elmshorn für Anfänger

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