Elmshorn für Anfänger

Geschichten von einer, die auszog, im Hamburger Speckgürtel zu leben. Eine pragmatische Liebeserklärung.

Streuobstwiesenfest: Große Party im Zeichen des Apfels

Hinterlasse einen Kommentar

Vor vielen Jahren, als ich noch nicht hier wohnte, gehörte das Streuobstwiesenfest jedes Jahr zum Elmshorner Veranstaltungsjahr. Doch dann wurde es aus unerfindlichen Gründen eingestellt und erst am vergangenen Wochenende erstmals wieder aus der Taufe gehoben. Meine Bilanz: Großer Andrang, Parkplatzsuche mit dem Fahrrad, Klönschnack an jeder Ecke – und ein großer Sack selbstgepflückter Äpfe.

Als mein Mann Christoph und ich am diesjährigen Tag der deutschen Einheit uns am späten Vormittag aufmachten, um uns das neu aufgelegte Streuobstwiesenfest einmal anzuschauen, waren wir eigentlich nicht wirklich spät dran. Und doch hatten wir den Eindruck, dass uns schon halb Elmshorn voraus war, so voll waren die Wege in Richtung Ruderheim an der Straße Wisch. Ich kann mich eigentlich nicht erinnern, irgendwann zuvor schon einmal so verzweifelt auf Parkplatzsuche gewesen zu sein – für mein Fahrrad wohlgemerkt, nicht für mein Auto! Wow, was für eine Resonanz! Ganz offensichtlich hatten die Elmshorner ihr Streuobstwiesenfest ziemlich vermisst und pilgerten nun in Scharen dorthin.

Äpfel, Äpfel und nochmal Äpfel statt der üblichen Volksfest-Attraktionen

Dabei war das Programm, das sie dort erwartete, gar nicht so spektakulär wie man es von anderen Volksfesten kennt. Sprich: Es gab keine Hüpfburg, keine Live-Musik, keine Karussels. Aber vielleicht machte genau die Abwesenheit dieser üblichen Volksfest-Attraktionen die Veranstaltung so attraktiv? Jedenfalls gab es eine ausgedehnte Flohmarktmeile, etliche Stände mit gastronomischem Angebot, Verkaufsstände für Obst aus der Region und für diverses Kunsthandwerk, Infostände von verschiedenen Vereinen und Institutionen in Elmshorn – und Apfelbäume auf der Streuobstwiese. Letztere ist eine städtische Wiese, auf der viele alte Apfelbäume stehen, mit deren Früchten normalerweise wohl nicht allzu viel passiert – es sei denn, es findet ein Streuobstwiesenfest statt und die Menschen nutzen die Gelegenheit, fleißig Äpfel zu ernten.

Ein Jammer, wenn all diese Äpfel einfach vergammeln würden!

Genau dafür waren wir im Wesentlichen auch hergekommen. Klar, wir trafen beim Schlendern über das Areal eine Menge Leute und hielten für einen kleinen Klönschnack an. Wir stöberten durch das Flohmarktangebot (und ich erstand einen beinahe vollständigen OP-Saal von Playmobil, von dem ich noch gar nicht so recht weiß, was ich damit anstellen werde, wie das halt mit Flohmarktkäufen oft ist), tranken Kaffee und aßen Kuchen, informierten uns an den verschiedenen Ständen. Aber eigentlich ging es uns um die Äpfel. Und so stapften wir über die Wiese, auf der schon einiges an Fallobst lag, und begutachteten die Früchte, die reichlich an den schwerbeladenen Bäumen hingen. Es wäre doch wirklich ein Jammer, wenn all diese Äpfel einfach am Baum oder auf dem Boden vergammeln würden!

Eine Fahrradtasche voller Äpfel ergibt 10 Gläser selbstgekochtes Apfelmus

Ein paar ältere Leute, denen ich eher als mir selbst profunde Kenntnis alter Apfelsorten zutraue, tippten darauf, dass es vor allem Boskop-Äpfel seien, die auf der Streuobstwiese an den Bäumen hingen. „Das sind ziemlich alte Bäume“, erklärte mir eine Dame, „eigentlich müssten die mal ordentlich beschnitten werden, aber das macht natürlich viel Arbeit…“ Viele der Äpfel schienen uns allerdings noch nicht ganz reif zu sein, und so konzentrierten wir uns auf die Exemplare, die sich halbwegs freiwillig vom Ast zupfen ließen. Bald war eine Fahrradtasche voll mit kleinen festen Äpfeln, zudem zogen Regenwolken auf, so dass wir uns auf den Heimweg machten. Zu Hause angekommen, wuschen, schälten und schnippelten wir die Äpfel und kochten daraus 10 Gläser Apfelmus. Ein erstes Glas verputzten wir noch am selben Tag zu Pfannkuchen – sehr lecker!

Info aus dem Rathaus: Man darf ruhig nochmal hingehen und Äpfel ernten

In den vergangenen Tagen ließ mich die Frage nach dem Schicksal der verbleibenden Äpfel an den Bäumen auf der Streuobstwiese nicht los. Ich rief also bei der Stadt Elmshorn an und fragte: „Darf man auch nach dem Streuobstwiesenfest nochmal auf die Wiese gehen und Äpfel pflücken? Denn viele waren am Montag noch nicht reif – es wäre doch schade um das viele Obst!“ Ich wurde durchgestellt zum Amt für Wirtschaftsförderung, Naturschutz und Baumschutz, das für die Streuobstwiese zuständig ist. Jörg Schmidt-Hilger erklärte mir, dass die Wiese in städtischem Besitz, aber verpachtet sei. Normalerweise weideten Tiere auf der Wiese. „Aber wenn das Gatter geöffnet und keine Tiere auf der Wiese sind, die weglaufen könnten, dann dürfen Sie dort auch nochmal Äpfel ernten.“ Na, das lasse ich mir doch nicht zweimal sagen. Wir werden in den nächsten Tagen oder Wochen sicher noch einmal vorbeischauen und checken, ob inzwischen mehr Äpfel erntereif sind. Und bis dahin verbrauchen wir schon einmal die erste Charge Apfelmus. 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s