Elmshorn für Anfänger

Geschichten von einer, die auszog, im Hamburger Speckgürtel zu leben. Eine pragmatische Liebeserklärung.

Gastbeitrag: Erinnerungen an die Geschichte des Bahnhofs Dauenhof

Ein Kommentar

Vor einer Weile habe ich hier über ein lustiges Erlebnis mit einem jungen Mann berichtet, der vom Elmshorner Bahnhof aus nach „Dauenhof“ fahren wollte – ein Ort, dessen Namen ich bis dato noch nie gehört hatte. Ein Blogleser hingegen hat eine Menge persönlicher Erinnerungen an den Bahnhof Dauenhof und hat sich in den vergangenen Jahren für dessen Erhalt stark gemacht. In einem Kommentar zu meinem Beitrag hat er dies ausführlich aufgeschrieben, so dass das einen eigenen Blogbeitrag wert ist.

Im Folgenden also ein Gastbeitrag von Guido Schümann über Dauenhof  – inklusive einiger Bilder, die er mir auf Anfrage noch gemailt hat. Herzlichen Dank für dieses tolle Input!

>> Per Zufall habe ich den „Elmshornblog“ entdeckt und musste spontan über den ersten dort gelesenen Beitrag „Dauenhof, Dauenhof… ich höre immer nur Dauenhof!“ schmunzeln.

Ja, es ist wahr: Dauenhof, der wohl bedeutendste Ortsteil der Gemeinde Westerhorn im äußersten Norden des Kreises Pinneberg, ist in den letzten Jahren immer wieder einmal in aller Munde gewesen. Meistens ging es dabei um den Bahnhof, der durch den zwischenzeitlich vorgenommenen Weichenrückbau nach der „Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung“ im eisenbahnrechtlichen Sinne genau genommen nur noch ein Haltepunkt ist.

Ich selbst bin dort als kleiner Junge in unmittelbarer Bahnhofsnähe aufgewachsen, im Schatten der letzten Giganten der Schiene, der mich nicht nur damals besonders beeindruckenden riesigen Dampflokomotiven.

Fakt ist: Über 100 Jahre lang bildeten zahlreiche Geschäfte von Kaufleuten, viele Betriebe von Handwerkern aller Art sowie mehrere Gaststätten rund um den Bahnhof herum das wirtschaftliche und gesellschaftliche Zentrum des gesamten Ortes. Durch den Abbruch des historischen Hauses aus rotem Backstein hätten die Menschen im Ort ein beredtes Zeugnis für den Aufstieg ihres Dorfes wie auch der ländlichen Räume in Schleswig-Holstein insgesamt im Zuge der Erschließung durch die Eisenbahn ab der Mitte des 19. Jahrhunderts verloren.

Zugleich wäre ein fast einzigartiges Zeugnis der dänischen, österreichisch-preußischen, preußischen und deutschen Eisenbahngeschichte verloren gegangen. Die 1844 als „König Christian VIII. Ostseebahn“ zwischen Altona und Kiel eröffnete Strecke war die erste unter dänischer Hoheit – das Herzogtum Holstein war (ebenso wie die Herzogtümer Schleswig und Lauenburg) bis 1864 in Personalunion mit dem Königreich Dänemark verbunden. Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864 unterlag Holstein einer gemeinsamen österreichisch-preußischen Landesherrschaft (Kondominium), nach dem Deutschen Krieg 1866 fiel es an Preußen, das 1871 wiederum im Deutschen Reich aufging.

Was nach einem Abriss des geschichtsträchtigen Gebäudes geblieben wäre? Die ungastliche Unwirtlichkeit und die gähnende Leere eines zugigen, trost- und gesichtslosen großen Platzes mitten in der Gemeinde.

Bereits am 28.07.2013 berichteten die „Elmshorner Nachrichten“ und die „Norddeutsche Rundschau“ aus Itzehoe erstmals anhand des Artikels „Ein Stück Geschichte (ist) in Gefahr“ über die akute Bedrohung des Bahnhofsgebäudes durch die seinerzeit bekannt gewordenen Abrisspläne der Deutschen Bahn (DB). Schon am 03.08.2013 folgte das „Hamburger Abendblatt“ in seiner Pinneberger Regionalausgabe mit dem Beitrag „Bürger wollen Bahnhof Dauenhof retten“.

Seither hat sich viel getan, doch selbst im Frühjahr 2016 sah es noch sehr düster aus. In dem Beitrag „Hier kommt bald der Abrissbagger zum Zug“ vermeldete das „Hamburger Abendblatt“ am 04.04.2016 in seinem Pinneberger Regionalteil das unverändert drohende Unheil. Auch in dem Bericht „Westerhorn | Wirbel um den historischen Bahnhof“ der „Elmshorner Nachrichten“ vom 24.05.2016 klang das alles noch sehr besorgniserregend – und das, obwohl sich inzwischen mit Herrn Kay Sierk von der Fa. Otto Frauen ein ortsansässiger Käufer und seriöser Investor für den Erhalt des Stationsgebäudes gefunden hatte.

Über erste Anzeichen für eine Trendwende berichteten am 08.07.2016 die „Barmstedter Zeitung“ („Die Politik unterstützt die Bahnhofs-Pläne“) und der Pinneberg-Teil des „Hamburger Abendblattes“ („Gemeinde will alten Bahnhof doch erhalten“). „Erste Bahnhofs-Entwürfe vorgestellt“, so lautete am 14.07.2016 ein weiterer Artikel der „Barmstedter Zeitung“. Das Konzept für das Dauenhofer Bahnhofsgebäude sowie einige Zeitungsartikel und Fernsehbeiträge wurden zwischenzeitlich auch unter www.dauenhof.de ins Netz gestellt.

Geradezu dramatisch klang es dann am 18.08.2016 in dem Beitrag „Wenig Hoffnung in Westerhorn | Bahnhof soll Stellwerk weichen“ – ebenfalls in der „Barmstedter Zeitung“. Dann ging es aber offenbar im positiven Sinne Schlag auf Schlag. Lokale, Landes- und Bundespolitiker unterschiedlicher Färbung schalteten und setzten sich ein, vermittelten, die Deutsche Bahn zeigte sich erfreulicherweise gesprächsbereit, prüfte neu, und dann gab es den wohl letztlich entscheidenden Durchbruch.

Es war wieder einmal die „Barmstedter Zeitung“, die am 13.09.2016 unter der Überschrift „Bahnhof Dauenhof bleibt offenbar erhalten |’Eine tolle Entwicklung‚“ die frohe Botschaft verkündete. Das geschichtsträchtige Bahnhofsgebäude in Dauenhof scheint also buchstäblich in letzter Minute gerettet. Der Ort bekommt damit die wunderbare, vielleicht sogar einmalige Chance, einen wesentlichen Teil seiner historischen Mitte zu behalten und für die Zukunft und die Menschen vor Ort weiterzuentwickeln.

Vielen Dank allen daran Beteiligten! Merke: „Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft.“ (Wilhelm von Humboldt (1767-1835), preußischer Gelehrter, Schriftsteller und Staatsmann) <<

*****

Guido Schümann schickte mir außerdem ein Kapitel aus dem Buch „Geschichte Dauenhofs“, das sein Schulfreund Reinhard Jung im Jahre 1982 als Schüler geschrieben hat. Ich darf das Kapitel hier veröffentlichen – wer also Lust hat, auf 12 Seiten tiefer in die Geschichte des Bahnhofs Dauenhof einzusteigen, voilà: bahnhof-dauenhof-reinhard-jung-die-geschichte-dauenhofs-1981-82

Ein Kommentar zu “Gastbeitrag: Erinnerungen an die Geschichte des Bahnhofs Dauenhof

  1. Am 21.10.2016 veröffentlichte die „Barmstedter Zeitung“ unter der Überschrift „Bahnhof Dauenhof: Der Kaufvertrag ist unterzeichnet“ diese Nachricht:

    „Alle Westerhorner, die in den vergangenen Monaten um den Erhalt des historischen Bahnhofgebäudes gekämpft haben, können aufatmen. Gestern unterzeichnete der ortsansässige Unternehmer Kay Sierk den Kaufvertrag für das Backsteingebäude, das sich bislang im Besitz der Deutschen Bahn befand. Damit sind auch die Abrisspläne der Bahn endgültig vom Tisch. ‚Ich bin froh, dass nun das monatelange Ringen um die Erhaltung ein glückliches Ende gefunden hat‘, sagt Sierk und bedankt sich bei der Bahn für das Entgegenkommen.“

    Mehr dazu hier:
    http://www.shz.de/lokales/barmstedter-zeitung/der-kaufvertrag-ist-unterzeichnet-id15143796.html

    Ende gut, alles gut! Ein ziemlich dramatisches Kapitel der Dauenhofer Bahnhofsgeschichte hat zu guter Letzt seinen positiven Abschluss gefunden. Allen daran Beteiligten auch an dieser Stelle nochmals meinen besten Dank!

    Mein besonderer Dank richtet sich an Kay Sierk (ortsansässiger mittelständischer Unternehmer, Käufer und Investor), Holger Reimers (Bauhistoriker aus Dauenhof-Taterbusch, Gemeinde Hohenfelde) und Reinhard Jung (ehemaliger Dauenhofer, Freier Journalist und Landwirt aus Lennewitz/Prignitz) für ihren jeweiligen ganz besonderen Einsatz in dieser Angelegenheit.

    Nicht zu vergessen: Dank gebührt auch allen Politikern aus der Gemeinde Westerhorn, auf Kreis-, Landes- und Bundesebene, die sich für den Erhalt des geschichtsträchtigen Gebäudes eingesetzt haben, sowie allen anderen Befürwortern des Bahnhofserhaltes.

    Und es ist schön, dass die Deutsche Bahn schließlich von ihren schlimmen Abrissplänen abgerückt ist und den Weg für eine zukunftsweisende Planung in und mit der historischen Mitte Dauenhofs freigemacht hat.

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