Elmshorn für Anfänger

Geschichten von einer, die auszog, im Hamburger Speckgürtel zu leben. Eine pragmatische Liebeserklärung.

Graue Erbsen: Dieses Jahr waren wir im EMTV-Turnerheim

4 Kommentare

Einer der vielen Kommentare auf meinen Blogbeitrag zur Elmshorner Restaurant-Szene vor ein paar Tagen lautete: „Ich bin schon mal gespannt, wo du in diesem Jahr graue Erbsen essen gehst!“ Uff, darüber hatte ich mir noch so gar keine Gedanken gemacht! Wie gut traf es sich da, dass mein Mann und ich nach dem gestrigen Schwimmtraining zu faul zum Kochen waren und ohne Reservierung auf Verdacht im EMTV-Turnerheim vorbeischauten.

Im EMTV-Turnerheim, auf das ich erstmals bei der Einweihung der neuen EMTV-Sporthalle aufmerksam geworden bin, gibt es diese gesamte Woche über graue Erbsen satt für 9,50 Euro. Und wenn ich sage „satt“, dann meine ich auch „satt“. Mit Kasseler, Kochwurst, Schweinebacke, Salzkartoffeln und Speckstippe, wie es sich gehört. Wir waren zunächst unsicher, ob wir es wagen sollen, ohne Reservierung aufzukreuzen. Denn schließlich herrscht zur graue-Erbsen-Zeit regelmäßig Ausnahmezustand in der hiesigen Gastronomie. Alle Lokale sind randvoll, vielerorts hat man nur mit Reservierung eine Chance auf einen Tisch.

Hungersnot wegen Belagerung im Dreißigjährigen Krieg

Dabei sind graue Erbsen nun nicht gerade das, womit sich ein Koch einen Michelin-Stern verdient. Wir reden von äußerst deftiger Hausmannskost, die man nur mit einem Verteiler (vulgo für einen Schnaps, am besten Köm, Aquavit oder Korn) verdauen kann. Was auch für mich, die ich eigentlich eher der mediterranen Küche zugetan bin, ab und zu ganz nett ist. Was ich an grauen Erbsen aber eigentlich noch lieber als den Geschmack mag, ist die Tradition, die dahintersteht und die ich 2015 einmal in einem Blogbeitrag beschrieben habe. Belagerungszustand im Dreißigjährigen Krieg, Hungersnot, ihr wisst schon. Und dann auf einmal irgendwo ein Lager voller grauer Erbsen, das den Elmshornern ihr Überleben sicherte.

Jedes Jahr verputzen die Elmshorner 6 Tonnen graue Erbsen

Was ich ebenfalls sehr mag, ist die Tatsache, dass es sich bei dieser Tradition um eine urtypische Elmshorner Eigenart handelt, die es sonst nirgends gibt. So etwas finde ich schon mal per se irgendwie cool. Wenn es stimmt, dass in Elmshorn zur Faschingszeit jährlich rund 6 Tonnen graue Erbsen verarbeitet werden, dann entfallen auf jeden einzelnen Elmshorner statistisch gesehen 117 Gramm der Hülsenfrucht (vermutlich im Trockenzustand, gegart also noch einmal deutlich mehr!). Berücksichtigt man, dass es viele Menschen gibt, die Graue Erbsen überhaupt nicht mögen, dann muss es eine Menge Leute geben, die pro Saison etliche Male große Mengen graue Erbsen essen.

Nachschlag gefällig? Mehr Erbsen, mehr Fleisch, mehr Kartoffeln.

Wir begnügen uns mit einmal pro Saison. Gestern also pflegten wir die Tradition der grauen Erbsen im EMTV-Turnerheim. Das Essen schmeckte ziemlich ähnlich wie die grauen Erbsen, die wir 2015 im Gasthaus Marone gegessen hatten. Mit dem Unterschied, dass mehrfach eine Kellnerin vorbeikam und uns fragte, ob wir noch Nachschlag möchten. Mehr Erbsen, mehr Fleisch, mehr Kartoffeln. Dabei hatten wir auch so ziemlich mit den Portionen zu kämpfen. Fazit: Lecker. Einmal im Jahr. Und mal sehen, auf welches Restaurant unsere Wahl in 2017 fällt.

4 Kommentare zu “Graue Erbsen: Dieses Jahr waren wir im EMTV-Turnerheim

  1. Wie schön, dann habt Ihr es ja doch geschafft 🙂

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  2. Hi, ich hätte mal eine Frage: Hast du eine Ahnung, wie/wo man im Rest von Deutschland an graue Erbsen kommt? Ich wohne in Thüringen & bin seit ca. 2012 verzweifelt auf der Suche 😀

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