Elmshorn für Anfänger

Geschichten von einer, die auszog, im Hamburger Speckgürtel zu leben. Eine pragmatische Liebeserklärung.

Sowas darf gern wieder stattfinden: Erstes SoFie Festival in Elmshorn

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SoFie steht für „Songwriter Festival in Elmshorn“ und hat an diesem Wochenende eine gelungene Premiere gefeiert. Wir waren bei den beiden Auftakt-Konzerten von The Caper und Paint the Clouds im Kranhaus dabei.

Das Blöde und gleichzeitig Schöne an einer kleineren Stadt ist ja, dass sie ein bisschen kleiner ist als eine große Stadt. Das merkt man auch an ihrer Musikszene. Ich bin zwar weit davon entfernt, eine regelmäßige Konzertgängerin zu sein und habe als bekennende Ü-Vierzigerin auch längst den Überblick verloren darüber, wer grad neu und cool ist (wenn ich ihn denn jemals hatte). Aber auch mir fällt es auf, wenn in Elmshorn auf einmal überall Plakate hängen, auf denen für ein ominöses „SoFie“ (das steht kurz für: Songwriter Festival in Elmshorn) geworben wird. Weil es ein zweitägiges Festival, bei dem man mit einem Ticket 9 Bands bzw. Künstler in 5 verschiedenen Locations (Kranhaus, Apollo-Kino, Sparkasse, Nikolai-Kirche und Jim Coffee) sehen kann, einfach nicht oft gibt.

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Zu wenig Sponsoren für die Nacht der Gix

Genauer gesagt, gab es seit Oktober 2011 kein solches Festival mehr, als die letzte „Nacht der Gix“  hier über die Bühne ging. Als Sofie-Organisator Frank Ramson am Freitagabend im Kranhaus zusammen mit Bürgermeister Volker Hatje das Publikum der ersten beiden Bands begrüßte, glaubte ich auch, zwischen den Zeilen heraushören zu können, dass es irgendeinen Ärger rund um die „Nacht der Gix“ gegeben haben musste. Damals wohnte ich noch nicht in Elmshorn, kann also nicht wirklich mitreden. Doch ich kann zumindest im Archiv der Elmshorner Nachrichten stöbern und nachlesen, dass es für den Veranstalter der Nacht der Gix, Maik Sbresny, schwierig war, genug Sponsoren für sein Festival zu finden. In einem Artikel vom März 2012 wird er mit den Worten zitiert, er könne „niemandem auch nur empfehlen, solch ein Event in Elmshorn anzugehen“.

5 Euro für 2 Bands – da kann man nicht viel falsch machen!

Nun, ich kann den Machern von SoFie ja nicht in die Kassenbücher schauen, ob sich die aktuelle Neuauflage ausgezahlt hat oder nicht. Der Eintritt am Freitagabend (Sonnabend waren wir nicht beim SoFie, sondern beim Theaterstück „Der Revisor“ in der Dittchenbühne – doch dazu später mehr!) kostete 5 Euro für 2 Bands und war damit sehr überschaubar. Ich hatte zuvor kurz einmal reingehört, was The Caper und Paint the Clouds für Musik machen – und fand, das sei 5 Euro Risikokapital pro Nase wert. Außer mir und meinem Mann waren schätzungsweise 80 weitere Elmshorner dieser Meinung, jedenfalls war die Halle gut gefüllt.

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Im Kranhaus war ganz gut was los – in der zweiten Reihe, mit dem rot-braun-gestreiften Mantel, bin übrigens ich! 🙂

The Caper: Melodiöse Songs an Keyboard und Gitarre

Von der dreiköpfigen Band The Caper war nur Keyboarder Flo angereist, Drummer Ulli und Bassist Tim waren zu Hause in Hamburg geblieben. Als einzelner Künstler am Keyboard und an der Gitarre wirkte er dafür als Songwriter umso authentischer. Ich mochte seine Stimme und die melodiösen Songs, hätte mir nur manchmal gewünscht, dass er nicht mitten in den Applaus hinein zum Publikum spricht – denn so habe ich fast nichts von dem verstanden, was er über die Musik erzählte. Am Ende war er ganz niedlich überrascht, dass er vom Publikum zu einer Zugabe herausgeklatscht wurde: „Ich bin doch nur die Vorband, da gibt es doch normalerweise keine Zugaben!“ Doch er hatte natürlich trotzdem noch einen letzten Song extra parat. Am Sonnabend durfte er kurzfristig für einen anderen Künstler einspringen, der krankheitsbedingt ausfiel – insofern hat er nach diesem Wochenende sicherlich einige Fans mehr in Elmshorn.

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Sänger und Keyboarder Flo von The Caper

Schade, schade, schade: Das war das letzte Konzert von Paint the Clouds

Die zweite Band, das deutsch-amerikanische Trio Paint the Clouds, beschreibt ihren Musikstil auf ihrer Website zwar als „in between Folk, Pop, World, Country and Rock“, doch für meine Ohren spielen sie vor allem schönen Irish Folk. Ein bisschen schade fand ich es, dass Sänger und Gitarrist Heiko noch vor dem ersten Song ankündigte, dass dies das allerletzte Konzert von Paint the Clouds sein würde. Co-Gitarrist Eric zieht es nach Göttingen, die Band löst sich also auf. Doch Heiko versprach, alle drei würden sicherlich auch in Zukunft weiter Musik machen. Nachdem sie ein paar Stücke gespielt hatten, fand ich das gleich noch ein bisschen mehr schade, denn das Trio machte wirklich Laune – mal mit melancholisch ruhigen und mal mit fetzigen Titeln, bei denen sie mit ordentlich Gestampfe die Statik der kleinen Bühne auf die Probe stellten.

Überschaubares Programm, kurze Wege, bitte wiederholen!

Wenn das Festival am Samstag so weitergegangen ist, wie es am Freitag begonnen hat, dann hoffe ich doch sehr, dass es auch 2016 wieder stattfinden wird. Und mal ganz ehrlich: Wenn in Hamburg „Nacht der Clubs“ oder „Lange Theaternacht“ ist, dann ist man doch wie erschlagen von dem übervollen Programm und am Ende nur frustriert, dass man sein Ticket nicht ansatzweise voll ausschöpfen kann. Außerdem verbringt man viel Zeit damit, zwischen den vielen Locations hin- und herzutingeln, die doch sehr weit auseinanderliegen. Und man kommt zu spät ins Bett und kann den nächsten Tag in die Tonne treten (glaubt mir, dieser Faktor wird mit zunehmendem Alter immer wichtiger…). Das kann einem in Elmshorn bei 5 Locations, die alle nur 5 Minuten zu Fuß auseinander liegen, definitiv nicht passieren. Wie gesagt: Das Blöde und gleichzeitig Schöne an einer kleineren Stadt ist ja, dass sie ein bisschen kleiner ist als eine große Stadt…

Herzlichen Dank übrigens an Sven Rehder, der am Freitagabend für SoFie fotografiert und mir seine Bilder zur Verfügung gestellt hat.

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