Elmshorn für Anfänger

Geschichten von einer, die auszog, im Hamburger Speckgürtel zu leben. Eine pragmatische Liebeserklärung.

Willkommensteam für Flüchtlinge: Wir brauchen weitere Mitstreiter!

Ein Kommentar

Inzwischen haben alle Helfer des Willkommensteams für Flüchtlinge Elmshorn Patenschaften für zum Teil mehrere Flüchtlinge oder ganze Familien übernommen. Wir würden uns deshalb freuen, wenn weitere Helfer zu uns stoßen und neu eintreffenden Flüchtlingen den Start in ihrer neuen Heimat erleichtern.

Ein Blick in die Zeitung reicht um zu wissen, dass auf absehbare Zeit viele weitere Flüchtlinge aus aller Herren Länder nach Deutschland und damit auch nach Elmshorn kommen werden. Ich bin deshalb froh, dass die Arbeit des Willkommensteams für Flüchtlinge Elmshorn seit der Vereinsgründung Ende März so gut vorangeht. Denn ich bin fest davon überzeugt, dass zwischenmenschlicher Kontakt, Hilfe und Zuwendung entscheidend dazu beitragen können, dass diese Menschen sich leichter in unserer Gesellschaft zurechtfinden und sich integrieren können. Leider stoßen die aktiven Helfer mittlerweile an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Wir brauchen dringend weitere ehrenamtliche Helfer, die Lust haben, neu eintreffenden Flüchtlingen zu helfen.

Wie viel Zeit man investiert, hängt von den persönlichen Umständen ab

Diese Hilfe kann im Einzelfall ganz unterschiedlich aussehen und hängt natürlich auch stark vom Zeitbudget der Helfer ab. Ein Ehepaar in unserer Runde beispielsweise – beidem im Ruhestand – betreut eine syrische Großfamilie und ist mindestens dreimal pro Woche für sie im Einsatz. Mal organisieren sie die Aufnahme in eine Fußballmannschaft, mal telefonieren sie ihren Freundeskreis durch um Fahrräder für alle Mitglieder der syrischen Familie zu organisieren, mal begleiten sie die Eltern zu Arztterminen. Andere Mitglieder des Willkommensteams – dazu zähle ich mich selbst auch – helfen eher punktuell, weil sie in Vollzeit berufstätig sind und nicht ganz so viel Zeit erübrigen können. Sie begleiten „ihre“ Flüchtlinge zum Sozialkaufhaus und stellen ihren Kombi für den Transport eines Sofas zur Verfügung. Oder sie sammeln im Bekanntenkreis Kleider- und Spielzeugspenden, um sie an die Familien zu verteilen. Und versuchen auf Zuruf zu helfen, wann immer Fragen auftauchen. Denn ein Leben in einem unbekannten Land wirft zwangsläufig einige Fragen auf.

Übersetzen bei Elterngesprächen in Kindergarten und Schule

Ich betreue mittlerweile zwei iranische Familien und helfe ihnen bei Problemen im Alltag. Dabei helfen meine Persischkenntnisse natürlich ungemein. So habe ich bei Elterngesprächen in der Kita und in der Schule übersetzt – wie sonst hätte man den Eltern der zehnjährigen Tochter das deutsche Schulsystem erläutern können, damit sie eine informierte Entscheidung über die weiterführende Schule treffen, die ihre Tochter ab den Sommerferien besuchen soll? Ich nenne nur mal die Stichworte Gymnasium, Gemeinschaftsschule, G8 und G9, Inklusionskonzept oder Bläserklasse. Mein eigener Sohn hat vor drei Jahren in Hamburg die Schule beendet, doch seither sind drei Jahre mit weiteren Schulreformen ins Land gegangen – und außerdem hat Schleswig-Holstein – dem Föderalismus sei Dank – natürlich ein ganz anderes Schulsystem als das benachbarte Hamburg.

Die Nachbarn klopfen immer ans Heizungsrohr – was tun?

Bei der zweiten iranischen Familie habe ich einmal bei Unstimmigkeiten mit den Nachbarn vermittelt, die in der Wohnung unter ihnen wohnen und sich offenbar häufig durch Lärm aus der Wohnung gestört fühlten. Jedenfalls klopften sie oft an die Heizungsrohre und riefen sogar einmal die Polizei wegen Ruhestörung. Das verschreckte die Familie sehr, zumal sie beteuerten, sich nur in Zimmerlautstärke zu unterhalten, keine Parties zu feiern und auch nicht laut über den Boden zu trampeln. Gemeinsam gingen wir also eine Etage tiefer und sprachen die Nachbarn an, denen die Familie zuvor noch nie über den Weg gelaufen war. „Ich wusste ja nicht, wer da oben wohnt und war mich dort erwartet“, erklärte mir die Nachbarin, deshalb sei sie nicht nach oben gekommen und habe lieber ans Heizungsrohr geklopft. Dass über ihr auch ein achtjähriger Junge wohnt, der derzeit noch nicht zur Schule geht und sich deshalb oft langweilt, wusste sie nicht: „Hier im Haus kennen wir einander eigentlich nicht.“ Seit unserem Gespräch weiß sie nun, dass über ihr eine iranische Familie lebt, die erst seit wenigen Wochen in Deutschland lebt. Dass sie noch keinen Deutschkurs besuchen, weil sie erst einen Spracheinstufungstest absolvieren müssen. Dass sie sich bemühen, leise zu sein um die Nachbar nicht zu stören. Dass sie sich freuen würden, wenn die Nachbarn einmal auf einen persischen Tee vorbeischauen. Die Nachbarin blieb zwar dabei, dass es in der Vergangenheit oft laut gewesen sei, doch sie versprach, in Zukunft lieber den direkten Kontakt zu suchen anstatt die Polizei zu rufen oder an die Heizung zu klopfen. Ich ließ ihr auch meine Visitenkarte mit meinen Kontaktdaten da, falls es einmal mit der Verständigung hapern sollte. Doch in letzter Zeit gab es offenbar keinen Anlass zur Beschwerde mehr – seit unserem Gespräch blieb das Heizungsrohr still.

Begleitung bei der Schulanmeldung

Als nächstes werde ich die Familie zur Schulanmeldung ihres Jungen begleiten. Eigentlich flattert Familien mit schulpflichtigen Kindern kurze Zeit nach ihrer Ankunft ein Schreiben des Kreises Pinneberg ins Haus, mit dem sie aufgefordert werden, sich bei der zuständigen Schule zu melden. Im Falle Arshias ist das aus unerfindlichen Gründen nicht passiert, und die Familie wusste nicht, was sie tun muss, damit ihr Sohn baldmöglichst zur Schule gehen, Deutsch lernen und Freunde finden kann. Ich rief bei der Schule an und vereinbarte einen Termin zur Anmeldung, zu dem ich die Familie dann auch begleiten werde.

Verständigung mit Händen und Füßen – und mit Google Translator

Ich glaube, dies sind recht typische Einsatzfelder für einen „Paten“ für Flüchtlinge. Meine Sprachkenntnisse helfen natürlich sehr, mich mit den iranischen Flüchtlingen zu verständigen. Doch es ist nicht zwingend erforderlich, von Anfang an eine gemeinsame Sprache zu sprechen. Beim letzten Treffen des Willkommensteams erzählte eine Helferin etwa: „Ich betreue eine syrische Familie, aber ich verstehe kein Arabisch.“ Beim ersten Kontakt hatten sie einen Dolmetscher dabei, der von der Stadt vermittelt werden kann. Inzwischen verständigen sie sich mit Händen und Füßen – und mit Google Translator. „Das ist oft auch sehr lustig und macht unheimlich viel Spaß“, berichtete die Helferin. Ich kann das nur bestätigen: Dieses Ehrenamt macht sehr viel Spaß, und es ist auch oft lustig, gemeinsam mit den Flüchtlingen kulturelle oder sprachliche Stolperfallen zu entdecken. Und es ist ungemein befriedigend zu sehen, mit welch einfachen Mitteln man für andere Menschen Entscheidendes bewirken kann.

Lust mitzumachen? Einfach melden oder beim nächsten Treffen vorbeischauen!

Wer nach der Lektüre nun also Lust gekommen hat ebenfalls mitzumachen, ist herzlich eingeladen, sich bei mir oder dem Verein zu melden oder einfach ganz unverbindlich bei einem der nächsten öffentlichen Treffen vorbeizuschauen. Die Termine für die Treffen bis zu den Sommerferien stehen bereits fest: Mi 6.5.15, Do 28.5.15, Do 17.6.15 und Mi 15.7.15 (jeweils 18 Uhr im Personalkeller des Rathauses). Auf der Homepage unseres Vereins gibt es jede Menge Infos, auch die Protokolle der öffentlichen Treffen kann man hier nachlesen.

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  1. Pingback: Pressespiegel: Berichterstattung im März und April 2015 | Willkommensteam für Flüchtlinge Elmshorn e. V.

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