Elmshorn für Anfänger

Geschichten von einer, die auszog, im Hamburger Speckgürtel zu leben. Eine pragmatische Liebeserklärung.

LKA-Umfrage: So steht es um meine gefühlte Sicherheit in Elmshorn

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Jetzt habe ich schon dreimal hintereinander Post vom Landeskriminalamt (LKA) in Kiel bekommen, und jedes Mal fühlte ich mich irgendwie ertappt – wobei auch immer. Allerdings war man mir nicht bei kriminellen Machenschaften auf die Schliche gekommen, sondern bat um meine Teilnahme an einer Umfrage zur Sicherheit in Schleswig Holstein.

Den ersten Schreck jagte mir das LKA mit einem Brief ein, in dem es mit mitteilte, dass ich ausgewählt wurde und – wohlgemerkt freiwillig und anonym – an einer Umfrage teilnehmen darf. Ich gehöre also zu einer Handvoll zufällig ausgewählter Menschen, die in einem Fragebogen darüber Auskunft geben durften, wie es aus ihrer Sicht um die Sicherheit in ihrem Wohnumfeld bestellt ist. Der zweite Schreck kam in einem A4-Umschlag, der dann den angekündigten Fragebogen enthielt. Ich füllte ihn brav aus, denn ich glaube schon, dass man eine solche Gelegenheit nutzen sollte, den Behörden über die eigenen Befindlichkeiten und Eindrücke Auskunft zu geben, damit sie in Zukunft besser berücksichtigt werden können.

Ich wohne in einer ordentlichen und sicheren Umgebung!

Der Fragebogen offenbarte auch mir einige Erkenntnisse: Mir war vorher gar nicht so recht bewusst, wie sicher ich mich in meiner Umgebung tatsächlich fühle. Denn die meisten sicherheitsrelevanten Fragen konnte ich ohne Umschweife positiv beantworten. Zum Beispiel, ob in meinem Wohnumfeld viele Gebäude mit Graffiti beschmiert sind und die Straßen einen ungepflegten Eindruck machen (nein). Ob ich meine Nachbarn kenne und ob es mir auffallen würde, wenn an deren Haus etwas seltsam wäre (ja). Oder ob ich Angst habe, bei Dunkelheit das Haus zu verlassen oder öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen (nein). Oder ob ich im vergangenen Jahr Opfer eines Verbrechens geworden bin – etwa körperlicher (auch häuslicher) Gewalt, Einbruchdiebstahl oder Internetkriminalität (nein). Und wie ich meine Chancen einschätze, mich im Falle eines Überfalles zu wehren, wegzulaufen oder die Situation verbal zu deeskalieren (hmm, wehren könnte ich mich vielleicht nicht so gut, weglaufen mittelmäßig, aber quatschen kann ich ja ganz gut… Außerdem glaube ich, dass ein aufrechtes und selbstbewusstes Auftreten Mitmenschen mehr Respekt einflößt als wenn ich ängstlich herumhusche. Deshalb bemühe ich mich, mich einfach nicht irritieren zu lassen, meinen Weg zu gehen, nicht die Straßenseite zu wechseln — selbst wenn sich etwas zwielichtige Gestalten nähern – und meinen Mitmenschen einfach geradeaus ins Gesicht zu schauen. Vielleicht haben DIE eher Angst vor mir als umgekehrt…).

Zwei, drei Fahrraddiebstähle, eine komische Kreditkartenabbuchung – das war’s

Es war ein ziemlich gutes Gefühl, überall ankreuzen zu können, dass ich mich nicht sonderlich bedroht fühle. Was vermutlich daran liegt, dass ich bislang nur sehr wenigen Verbrechen zum Opfer gefallen bin. Eine seltsame Abbuchung von meiner Kreditkarte vor etlichen Jahren, die aber von meiner Bank ohne Umschweife zurückgebucht wurde – ich bekam eine neue Kreditkarte, damit war die Sache erledigt. Zwei oder drei Fahrraddiebstähle zu Studentenzeiten, die ich bei der Polizei meldete, um eine Bescheinigung für die Hausratversicherung zu bekommen. Einen weiteren vermeintlichen Fahrraddiebstahl meldete ich bei der Polizei, als mein Sohn sein Fahrrad nicht mehr dort vorfand, wo er es auf dem Schulgelände abgestellt hatte. Das Fahrrad tauchte aber kurz darauf in einem fremden Vorgarten wieder auf, wo es irgendwelche Spaßvögel hingeschleppt hatten (mein Sohn hatte es zwar abgeschlossen, aber offenbar nicht irgendwo angeschlossen). Der Polizist, der mich anrief und meinen Sohn auf die Wache bat um das gefundene Fahrrad zu identifizieren, klang hocherfreut, dass er ausnahmsweise einmal einen Fahrraddiebstahl aufklären konnte. Ich weiß nicht, wie viele Verbrechen der Durchschnittsbewohner dieses Landes im Laufe seines Lebens erlebt, doch mit meinem Schnitt kann man ziemlich gut leben.

Wie soll ich nur irgendwo in Schleswig-Holstein einer Reiterstaffel begegnen?

Weil ich in 2014 keine Verbrechen erlebt hatte, konnte ich weite Teile des Fragebogens überspringen. Dann wurde ich gefragt, wie ich ganz allgemein die Arbeit der Polizei einschätze: Ermittelt sie fair oder hat sie Vorbehalte gegenüber einzelnen gesellschaftlichen Gruppierungen? (ich denke leider schon, dass man sich mit offentlichtlichem „Migrationshintergrund“ für die Polizei etwas schneller verdächtig macht) Halte ich es für eine gute Idee, mich bei bestimmten Problemen an die Polizei zu wenden? (Natürlich!)  Hatte ich im vergangenen Jahr dienstlichen Kontakt zur Polizei – und wie habe ich diesen Kontakt empfunden? (Nein, keinen Kontakt gehabt.) Am besten gefallen hat mir aber die Frage, ob ich im vergangenen Jahr in meiner Wohngegend eine Fußstreife oder eine Reiterstaffel der Polizei gesichtet habe. Moment mal, Reiterstaffel? Mir ist ja klar, dass diese Fragebögen landesweit verschickt wurden und mir deshalb diese Frage gestellt wird, auch wenn es in Elmshorn keine Polizei-Reiterstaffel gibt. Doch gibt es im restlichen Schleswig-Holstein irgendwo Reiterstaffeln, die eine solche Frage rechtfertigen? Wenn man auf der Internetseite der Polizei Schleswig-Holstein schaut und nach dem Stichwort „Reiterstaffel“ sucht, findet man jedenfalls keine Einträge. Und auf der Seite des Landes Schleswig-Holstein finde ich bei der gleichen Suche nur einen Eintrag zu einem Volksbegehren von 1996/1997 mit dem Titel „Rettet die Polizei-Reiterstaffel Schleswig-Holstein“, für das allerdings nicht das erforderliche Quorum von mindestens 5 % der Stimmberechtigten erreicht wurde, so dass letztlich kein Volksbegehren stattfand. Ähnlich äußert sich auch die Wikipedia unter dem Stichwort „Sonstiges“ . Ich finde, das sind recht schlechte Vorzeichen, um irgendwo im echten Norden einmal einem berittenen Polizisten zu begegnen. Allerdings tut das meiner gefühlten Sicherheit in Elmshorn wenig Abbruch.

An Briefe vom LKA werde ich mich wohl nie gewöhnen…

Heute jedenfalls hat mir das LKA dann mit einem dritten Brief einen Schreck eingejagt. Ich ahnte ja mittlerweile, dass ihr Schreiben irgendwie mit der Umfrage und nicht mit kriminellen Machenschaften zu tun haben könnte, die mir zur Last gelegt werden sollen. Hey, was wollt ihr denn noch von mir? Ich habe den Fragebogen doch pflichtbewusst noch am selben Tag ausgefüllt und abgeschickt! Alles halb so wild: Der LKA-Direktor wollte mich nur daran erinnern, an der Umfrage teilzunehmen, falls noch nicht geschehen. „Wenn Sie den Fragebogen bereits zurückgesandt haben, möchte ich mich auf diesem Wege herzlich für die Teilnahme an der Befragung bedanken. Dadurch haben Sie einen wichtigen Beitrag zu unserem Kenntnisstand zur Sicherheitssituation der Menschen in Schleswig-Holstein geleistet.“

Bitte sehr, gern geschehen. Mich würde einmal interessieren, welche Erkenntnisse das LKA aus der Umfrage gewinnt und hoffe, dass sie beizeiten veröffentlicht werden. Wie sieht es bei euch aus? Fühlt ihr euch ebenfalls sicher in eurer Umgebung?

Reiterstaffel_Sommertagszug_Ladenburg

Anders als in Schleswig-Holstein gibt es in Ladenburg (Baden-Württemberg) eine Polizei-Reiterstaffel. Das Bild stammt von User 4028mdk09 und wurde bei Wikimedia Commons hochgeladen. http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Reiterstaffel_Sommertagszug_Ladenburg.JPG

2 Kommentare zu “LKA-Umfrage: So steht es um meine gefühlte Sicherheit in Elmshorn

  1. Pingback: Nachtrag zur LKA-Umfrage: Ach so, der Fragebogen stammte aus Niedersachsen! | Elmshorn für Anfänger

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