Elmshorn für Anfänger

Geschichten von einer, die auszog, im Hamburger Speckgürtel zu leben. Eine pragmatische Liebeserklärung.

Neugierig auf einen alten norddeutschen Silvesterbrauch

9 Kommentare

Es gibt Tage, da frage ich mich ernsthaft, warum ich mich nicht längst aus der einen oder anderen Elmhorn-Gruppe bei Facebook abgemeldet habe. Es sind die Tage, an denen reihum gefragt wird, ob der DHL-Fahrer schon an dieser oder jener Straße vorbeigekommen ist oder welcher Supermarkt heute bis wann geöffnet hat. Puh. Doch es gibt auch Tage, an denen ich in diesen Gruppen auf interessante Themen stoße.

So zum Beispiel vorgestern. Da fragte jemand in die Runde, ob alle ihre Silvester-Berliner beim Bäcker kaufen oder ob sich nicht jemand auch noch selbst backt. In den Antworten auf diese Frage lernte ich ein ganz neues Wort kennen: Pfütten, eine Unterart der Gattung Berliner (auch Pförten, nahe der dänischen Grenze eher Æbleskiver und nahe der holländischen Grenze eher Poffertjes genannt), die offenbar zu Silvester hier Brauch sind und tatsächlich von manchen selbst gebacken werden. Das Rezept* gab es auf Anfrage gleich dazu. Mindestens ebenso spannend wie die sagenumwobenen Grauen Erbsen aus Elmshorn, mit denen ich mich hier ja schon ausführlich beschäftigt habe. Ich will also auch Pfütten selbstmachen. Eine kleine, aber entscheidende Info hinderte mich allerdings daran, gleich den Schneebesen zu zücken: Man  backt Pfütten in einer Pfüttenpfanne. Ich habe weder eine Pfüttenpfanne, noch eine Vorstellung davon, was das eigentlich ist. Mist.

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Pfüttenpfanne, Poffertjes-Pfanne, Augenpfanne oder Æbleskivepande?

Das Internet spuckt mit dem Suchbegriff „Pfüttenpfanne“ leider keine Einträge, geschweige denn Einkaufsmöglichkeiten aus. Doch mit der Suche „Poffertjes Pfanne“, „Augenpfanne“ oder „Æbleskivepande“ wird man durchaus fündig (wenngleich auch zum Teil nur auf dänischen Seiten, die bei der Einschätzung der Preise erst einmal einen Währungsrechner zur Umrechnung von dänischen Kronen in Euro erfordern, was aber überflüssig ist, weil sie ohnehin nur innerhalb Dänemarks liefern – sofern mich mein intuitives Dänisch nicht getrogen hat). Oder natürlich bei Amazon oder Ebay, wo viele Händler ihre Waren anbieten – allerdings hätte es da mit einer Lieferung bis heute (Silvester) nicht mehr geklappt. Mit diesen Infos bewaffnet, spazierten mein Mann Christoph und ich gestern Vormittag also wild entschlossen zum Elmshorner Haushaltswarengeschäft Kerkamm. Man sollte ohnehin viel häufiger im stationären Handel einkaufen.

Zu teuer: die induktionstaugliche Luxusvariante von LeCreuset

Schon vom Eingang aus war eine Sonderfläche zu sehen, auf der zwei verschiedene Modelle Pfüttenpfannen aufgebaut waren. Ein günstiges Modell für 29 Euro, allerdings leider nicht induktionsgeeignet, da aus Aluminium gefertigt. Und eine induktionstaugliche Luxusvariante von LeCreuset, die aber sogar zum Sonderpreis noch 99 Euro kosten sollte. Während wir ein bisschen bedröppelt über unsere Optionen nachdachten, näherte sich eine Kerkamm-Mitarbeiterin, den ganzen Arm voller Kartons mit weiteren Exemplaren des günstigen Modells. Wow, die Dinger scheinen vor Silvester tatsächlich reißenden Absatz in Elmshorn zu finden, wer hätte das gedacht! Sie erzählte uns, es gebe noch ein „Mittelklassemodell“ aus Gusseisen, das sei aber derzeit leider nicht vorrätig. Hmm, einen ganzen Hunderter wollten wir uns unser Silvester-Experiment nicht gleich kosten lassen.

Facebook sei Dank: Ich hätte eine Pfanne ausleihen können

Zurück zu Hause, wandte ich mich wieder an Facebook und fragte in der Elmshorn-Gruppe an, ob jemand vielleicht eine induktionestaugliche Pfüttenpfanne besitzt, die er über Silvester entbehren und mir leihen kann. Denn ich würde mich gern mit diesem alten Elmshorn-Brauch vertraut machen und auch darüber bloggen. Tatsächlich wurde mir (neben Tipps, wie man mit einem Magneten die Induktionstauglichkeit einer Pfanne testen oder per Amazon Prime eine Pfanne noch am nächsten Tag geliefert bekommen kann) auch eine Pfanne zum Ausleihen angeboten. Allerdings in Neuendeich, also gut 11 Kilometer von Elmshorn entfernt, wo ich sie natürlich hätte abholen müssen. Außerdem war sich ihre Besitzerin nicht ganz sicher, ob die Pfanne wirklich aus Gusseisen und nicht vielleicht doch aus Aluguss gefertigt ist. Auch wenn ich ihre Hilfsbereitschaft (Facebook ist doch etwas Wunderbares!) sehr zu schätzen weiß, war mir das dann doch ein bisschen zu unsicher.

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Nun habe ich eine gusseiserne Krapfenpfanne bei Amazon bestellt, die zwischen dem 3. und 7. Januar bei mir eintreffen soll. Ich verschiebe mein Silvesterexperiment also einfach um ein paar Tage und bin überzeugt, dass dies den Pfütten ganz pfüttenherzlich egal ist. Wenn es soweit ist, werde ich ein paar Fotos bei laufender Produktion schießen und euch hier berichten. Bis dahin wünsche ich euch allen einen guten Rutsch in ein tolles, gesundes und friedliches neues Jahr!

*Rezept für norddeutsche Pfütten

Variante 1 (schneller, einfacher Teig)

  • Mehl ca 200-250g
  • lch ca 1/4 l
  • 2-3 Eier
  • Zucker (Menge nach Belieben)
  • Backpulver 1/2 Packung
  • Prise Salz
  • Pflaumenmus
  • Sonnenblumenöl zum Backen

Alle Zutaten bis zum Salz verrühren (Konsistenz sollte nicht zu dünnflüssig sein). Pfüttenpfanne mit dem Öl, ca 1,5 EL pro Form, vorheizen (wir testen immer mit einem Tropfen Teig: der muss gleich frittiert werden sozusagen, das blubbert dann drum herum). Mit einer kleinen Soßenkelle den Teig, bis zum Rand, in die Förmchen gießen. Ganz fix das Pflaumenmus mit zwei Teelöffeln in die Mitte vom Teig und bestenfalls richtig reindrücken, denn der Teig sollte drüber sein, da Pflaumenmus schnell anbrennt. Pfütten mit zwei Teelöffeln in der Pfanne wenden. Zum Schluss können sie noch in Zucker gewälzt oder mit Puderzucker bestreut werden. PS: Achtung: Das Öl spritzt!

Variante 2 (Hefeteig)

  • 1/2 Packung Trockenhefe
  • Mehl ca 250g
  • Milch 250 ml
  • 2 Eier
  • Zucker nach Belieben (hier reichen auch ein paar EL)
  • Prise Salz
  • In Rum eingelegte Rosinen
  • Sonnenblumenöl

Die Trockenhefe mit lauwarmer Milch (nicht kochend warm!) verrühren. Ein paar Löffel Mehl hinzu, damit es ein glatter Brei wird und dann zugedeckt ca. 25 min gehen lassen. Danach alle anderen Zutaten hinzufügen (manche lassen ihn dann noch einmal gehen). Gebacken wird wie beim anderen Rezept schon beschrieben (dieser Teig ist bloß klebriger, deswegen empfehle ich, die Teelöffel zu ölen).

 

9 Kommentare zu “Neugierig auf einen alten norddeutschen Silvesterbrauch

  1. Moin moin,

    die Pfütten werden gerade in den letzten Jahren in unserer Gegend wieder beliebter.

    Ein anderer Silvesterbrauch scheint dagegen zu verschwinden: Rummelpottlaufen. Dabei gehen verkleidete Menschen von Tür zu Tür,
    Hier in Glückstadt gibt es noch gelegentlich einzelne Rummelpottläufer oder -säufer. Vor 10-20 Jahren klingelte es zu Silvester noch regelmäßig an der Tür. Dann sangen die Gäste ein Lied un bekamen anschließend Süßigkeiten oder Getränke.

    Von manchen Elmshornern dagegen habe ich schon gehört, dass dort der Brauch gänzlich unbekannt ist, obwohl Elmshorn ja direkt um die Ecke liegt.

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    • In meiner Heimat Ostwestfalen-Lippe sind wir als Kinder immer Martinssingen gegangen. Ohne Verkleidung, dafür manchmal auch mit Blockflöte. Das hat mindestens so viele Süßigkeiten abgeworfen wie heutzutage Halloween. Rummelpottlaufen ist mir aber unbekannt. Seit ich 2012 nach Elmshorn gezogen bin, hat auch noch kein Mensch mit Rummelpott Silvester an meiner Tür geklingelt… Wenn heute einer kommt, kriegt er all unsere restlichen Weihnachtsplätzchen – mein Hosenbund kneift nämlich! 🙂

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  2. Wir haben in Elmshorn noch ein Haushaltswaren-Fachgeschäft (Kerkamm). Die haben sowas auf Lager, da braucht man nicht auf die Post vom Amazonas zu warten… 🙂

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  3. Pingback: Achtung, heiß und fettig! Ich habe mit norddeutschen Pfütten experimentiert! | Elmshorn für Anfänger

  4. Pingback: Achtung, heiß und fettig! Wer von euch kennt norddeutsche Pfütten und ihre Blutzuckerwirkung? | Süß, happy und fit

  5. Wie war die Pfanne denn nun?:)

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