Elmshorn für Anfänger

Geschichten von einer, die auszog, im Hamburger Speckgürtel zu leben. Eine pragmatische Liebeserklärung.

Neues vom Willkommensteam: Wir haben einen Verein gegründet!

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Bei unserem gestrigen Treffen haben wir einander erzählt, was wir in den vergangenen Wochen alles mit unseren „Schützlingen“ erlebt haben. Um unsere Arbeit künftig noch besser strukturieren zu können, haben wir nun auch einen Verein gegründet – und was besonders aufregend ist: Ich gehöre als Schriftführerin mit zum Vorstand!

Seit das Willkommensteam für Flüchtlinge in Elmshorn im Oktober 2014 seine Arbeit aufgenommen hat, ist einiges passiert. Inzwischen werden viele Familien und Einzelpersonen von engagierten Elmshorner Bürgerinnen und Bürgern betreut, wir haben eine tolle Homepage, eine Facebook-Seite mit inzwischen 112 Likes und eine ganze Menge Ideen, wie wir Flüchtlingen den Start in ihr Leben in Elmshorn erleichtern und die Öffentlichkeit auf unsere Arbeit aufmerksam machen könnten.

Vermittlung bei Missverständnissen mit dem EMTV-Fußballtrainer

Gestern trafen wir uns wieder einmal zum monatlichen Austausch über alles, was wir bei der Betreuung unserer „Schützlinge“ erleben. Je nach den Bedürfnissen der Flüchtlinge und auch dem eigenen Zeitbudget engagieren sich die Helfer ganz unterschiedlich für die Flüchtlinge. Da gibt es das Rentner-Ehepaar, das seit einigen Monaten eine achtköpfige syrische Familie betreut und mittlerweile dreimal pro Woche bei der Familie ein- und ausgeht. In letzter Zeit gab es Probleme mit dem EMTV, wo einer der Söhne Fußball trainierte. Doch weil das Leistungsniveau der bestehenden Mannschaften recht hoch ist, konnte er nicht mithalten. Und da weder er noch seine Eltern bislang ausreichend gut Deutsch sprechen, kam es zu Missverständnissen mit dem Trainer und mit anderen Spielern. In solchen Fällen ist es Gold wert, wenn Flüchtlingshelfer vermitteln und gemeinsam mit allen Beteiligten nach einer Lösung suchen können.

Elterngespräch: Welche weiterführende Schule soll die Tochter besuchen?

Ich selbst habe in den vergangenen Wochen einige Male Kontakt mit „meiner“ iranischen Familie gehabt, die ich bei einem Elterngespräch in der Kita erstmals als Dolmetscherin unterstützt hatte (ich hatte hier auch darüber geschrieben). Bei der älteren Tochter der Familie stand die Entscheidung über die weiterführende Schule an – auch hier war es hilfreich, dass ich beim Elterngespräch in der Grundschule übersetzen und den Eltern erklären konnte, was es mit den verschiedenen Schulformen in Deutschland auf sich hat und welche Schulabschlüsse mit ihnen möglich sind. Außerdem erreichten mich immer wieder einmal per WhatsApp Nachrichten der Familie: mal abfotografierte Behördenbriefe mit der Bitte um eine schnelle Übersetzung, mal eine Einladung zum Abendessen und mal liebe Grüße zum persischen Neujahr Noruz.

Hilfe, hier ist ein Mann von der Strombehörde und will eine Unterschrift!

Einmal erreichte mich auch eine verzweifelte WhatsApp-Nachricht „meiner“ Familie: „Bitte ruf uns schnell an, hier ist ein Mann von der Strombehörde gekommen und sagt uns, wir müssen ein Formular unterschreiben.“ Leider konnte ich nicht unmittelbar anrufen und selbst mit dem vermeintlichen Mann von der Strombehörde sprechen, doch glücklicherweise taten die beiden dann doch instinktiv das Richtige: Sie unterschrieben nicht und schickten den Mann wieder weg. Als wir ein wenig später miteinander telefonierten, erklärte ich den beiden Eltern, dass es in Deutschland kein staatliches Stromnetz, sondern viele verschiedene private Anbieter gibt, die offenbar mittlerweile dazu übergegangen sind, von Tür zu Tür zu ziehen, um Menschen zum Anbieterwechsel zu bewegen. Ein paar Tage später war im Hamburger Abendblatt in einer kleinen Notiz zu lesen, dass derzeit „aufdringliche Werber im Raum Quickborn Bewohner an der Tür belästigen und zum Wechsel ihres Energieversorgers auffordern“. Verbraucher wurden vor diesen unseriösen Werbern gewarnt, sich nicht unter Druck setzen zu lassen. Wie es mir scheint, sind diese Drückerkolonnen inzwischen also bis in den Raum Elmshorn vorgedrungen…

Verein gegründet, Satzung verabschiedet, Vorstand gewählt

Die vielen Geschichten, die wir gestern Abend hören durften, machten einmal mehr deutlich, dass unsere Arbeit wichtig und sinnvoll ist. Und dass sich unsere Arbeit besser strukturieren lässt, wenn wir einen Verein gründen. In den Wochen zuvor hatten bereits Satzungsentwurf und Vorschläge für die Besetzung der Vorstandsposten die Runde gemacht, gestern machten wir Nägel mit Köpfen und gründeten den Verein „Willkommensteam für Flüchtlinge in Elmshorn“, der nach seiner Eintragung ins Vereinsregister auch den Zusatz e. V. führen soll. Soweit ich mich erinnern kann, war es das erste Mal, dass ich bei einer Vereinsgründung dabei war – umso aufregender also, dass ich gleich als Schriftführerin mit in den Vorstand gewählt wurde. Ich bin einmal gespannt, wie sich das Projekt weiter entwickelt und freue mich auf die Zusammenarbeit mit meinen „Vorstandskollegen“ Frank Grimm (erster Vorsitzender), Constanze Diegel und Volker Laedtke (stellvertretende Vorsitzende), Klaus Fischer (Kassenwart) und Ahmed Syed Zaheer (Beisitzer). Und ich werde an dieser Stelle sicherlich weiterhin über das Willkommensteam und seine Arbeit berichten.

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Der frisch gekürte Vorstand des Vereins: Antje, Constanze, Klaus, Volker, Frank und Ahmed (von links nach rechts). Danke an Hauke Brockmann für das Foto! 🙂

2 Kommentare zu “Neues vom Willkommensteam: Wir haben einen Verein gegründet!

  1. Der Bericht Elmshorner für Anfänger war gut Klaus

    Gefällt mir

  2. Pingback: Pressespiegel: Berichterstattung im März und April 2015 | Willkommensteam für Flüchtlinge Elmshorn e. V.

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