In nicht einmal mehr zwei Wochen haben wir hier in Elmshorn einen großartigen Typen zu Gast. Dominik Bloh, der mit zwei Büchern über seine eigene Obdachlosigkeit zum Spiegel-Bestseller-Autor wurde und mittlerweile glücklicherweise nicht mehr auf der Straße lebt, liest an zwei Abenden hintereinander im Industriemuseum. Eigentlich wollte ich hier ganz heftig die Werbetrommel rühren – doch zwecklos, beide Veranstaltungen waren schneller ausverkauft als ich einen Blogbeitrag schreiben kann.
Ich will euch aber immerhin berichten, warum die ganze Aktion mich persönlich mächtig stolz macht. Vor einer Weile habe ich hier ja aufgeschrieben, dass ich mich neuerdings bei den Elmshorner Suppenhühnern engagiere. Einen Anstoß für dieses neue Ehrenamt, den ich in dem Beitrag nicht erwähnt hatte, waren die Bücher von Dominik Bloh. Mein Mann, der natürlich seit Jahren um mein Interesse am Thema Obdachlosigkeit weiß, hatte mir „Unter Palmen aus Stahl“ und „Die Straße im Kopf“ 2024 zu Weihnachten geschenkt. Ich hatte sie in einem Rutsch durchgelesen und dann den Entschluss gefasst, mich bei den Suppenhühnern einzuklinken. Seit Oktober bin nun ich Teil des Teams – und hatte ziemlich rasch die Idee, Dominik mal als Gast in den Suppenhühner-Podcast und zu einer Lesung nach Elmshorn einzuladen.



In der ersten Staffel der Podcastreihe „Mission Possible“ der Suppenhühner waren lauter tolle Menschen zu Gast, die sich bei den Suppenhühnern oder in anderen Vereinen bzw. Institutionen ehrenamtlich für obdachlose Menschen engagieren. Ich habe fast alle Folgen angehört und kann sie sehr empfehlen. Mir persönlich hat es beim Hören das Herz gewärmt – ich finde, es tut immer enorm gut mitzubekommen, dass es viele tolle Menschen gibt, denen das Schicksal anderer nicht gleichgültig ist. Gerade, wenn man angesichts der Nachrichtenlage ein bisschen geneigt ist, an der Menschenheit zu verzweifeln.
Mehr gelebte Expertise in Sachen Obdachlosigkeit geht echt nicht!
Mir war beim Hören allerdings aufgefallen, dass in den Podcasts ausschließlich ehrenamtlich Engagierte, nicht aber Obdachlose selbst zu Wort gekommen waren. Und grundsätzlich finde ich es ja immer besser, MIT den Menschen anstatt nur ÜBER sie zu sprechen. Es ist allerdings nicht ganz leicht, einen Menschen als Podcast-Gast zu gewinnen, den angesichts seiner furchtbaren Lebensbedingungen von früh bis spät ganz andere Dinge umtreiben als in einem Podcast der Öffentlichkeit seine Geschichte zu erzählen. Doch Dominik Bloh hat den Absprung aus der Obdachlosigkeit geschafft, seine Biographie reflektiert, zwei Bücher darüber geschrieben und scheut sich nicht, aus seiner Zeit auf der Straße zu erzählen. Mehr noch: Er engagiert sich weiterhin im Kampf gegen Obdachlosigkeit, ist Mitinitiator des großartigen Hamburger Duschbus-Projekts GoBanyo, erhielt für sein Engagement das Bundesverdienstkreuz, berät die Politik und wirkt am nationalen Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit mit. Mehr gelebte Expertise geht echt nicht. Wie wäre es also, ihn in den Podcast einzuladen? Dörte und Alex, die beiden Vereinsvorstände der Suppenhühner und zugleich Podcast-Hosts, fanden meine Idee klasse.
Podcast mit den Suppenhühnern, Lesung mit dem Apollo-Kulturverein
Doch damit nicht genug. Seit ich seine Bücher gelesen habe, folge ich Dominik auf Instagram und sah irgendwann einen Post, in dem auf seine aktuellen Lesungstermine hinwies. Ergänzt um den Hinweis: „Wenn ihr möchtet, dass ich auch mal in eurer Stadt lese, meldet euch bei meiner Agentur!“ Na klar wollte ich das! Und da ich auch ein großer Fan des Apollo-Kulturvereins bin, der seit nunmehr gut zwei Jahren mit Partys, After-Work-Events, Konzerten und Lesungen (hier übrigens mein Bericht über die Lesung mit Max Goldt auf der Klostersande) die Elmshorner Kulturszene bereichert, war schnell klar, wem ich das Thema „Lesung mit Dominik Bloh“ vorschlagen würde. Und was soll ich sagen? Auch die Apollos waren begeistert von meiner Idee und stiegen gleich in die Planung ein.
Location? Industriemuseum! Eintrittspreis? Nur einen symbolischen Euro als Mindestpreis – allerdings mit der Option, mehr zu geben, denn alle Einnahmen sollten der Bahnhofsmission zugute kommen. Die ist in Elmshorn bekanntlich eine wichtige Anlaufstelle für Menschen in Notlagen, hat zurzeit aber mit einem langwierigen Heizungsausfall zu kämpfen (wie sich die Deutsche Bahn als Eigentümer des Gebäudes dabei verhält, ist eine andere Geschichte… nur soviel: Sie eignet sich nicht dafür, das ramponierte Image des Staatskonzerns aufzupolieren!) und kann ihren Gästen daher nicht einmal einen warmen Punsch anbieten. Dieser Umstand hat sicherlich auch zu dem großen Interesse an der Benefiz-Lesung beigetragen.
Alle beide Lesungstermine waren ratzfatz ausverkauft
Ich war von Beginn an zuversichtlich, dass wir das Foyer des Industriemuseums mit seinen ca. 80 Sitzplätzen voll bekommen würden. Doch dass die Lesung am Donnerstag, 19.3.2026 binnen weniger Tage ausverkauft sein würde, hätte ich nicht zu träumen gewagt. (Und nein, ich habe mir nicht sämtliche Tickets unter den Nagel gerissen, nur 5 Stück für mich und meinen Mann, meine Nichte und eine Freundin mit ihrem Mann.) Zum Glück bot das Industriemuseum einen Zusatztermin an, und auch Dominiks Agentur gab grünes Licht. Man konnte sich beim Apollo-Verein auf eine Warteliste setzen lassen – und sobald genügend Leute Interesse signalisiert hatten, wurde der Zusatztermin bestätigt. Auch der zweite Termin am Freitag, 20.3.2026 war ratzfatz ausverkauft. Stünde dem Apollo-Kulturverein eine größere Location für solche Veranstaltungen zur Verfügung, hätte man sicherlich auch noch weit mehr Tickets verkaufen können…


Auch das war wieder so eine herzerwärmende Erkenntnis: Es gibt nicht nur viele Leute, die sich ehrenamtlich für die Gemeinschaft engagieren. Sondern auch viele Leute, die sich für das Schicksal und die Gedanken anderer Menschen interessieren, die es nicht so gut getroffen hat. Ich freue mich jedenfalls riesig, dass meine Ideen hier in Elmshorn auf so fruchtbaren Boden gefallen sind. Ich freue mich auch riesig darauf, Dominik einmal persönlich kennen zu lernen und mitzuerleben, wie er mit dem Publikum in Elmshorn ins Gespräch kommt. Und später dann den Podcast mit ihm anzuhören, der am 19.3. aufgezeichnet wird.
Tja, und nun tut es mir Leid, wenn ich euch den Mund wässrig gemacht habe, ihr aber keine Chance mehr auf ein Ticket zur Lesung habt. Ich hätte wirklich allzu gern auf allen Kanälen Werbung gemacht, doch diese coole Veranstaltung braucht offensichtlich nicht mehr Reklame als ein paar Posts über die Website und den Instagram-Kanal vom Apollo-Kulturverein, einen Artikel in den Elmshorner Nachrichten und eine Ankündigung auf der Seite des Industriemuseums. Aber ich werde euch natürlich im Nachgang berichten, wie es war. Und wer sich auch ohne Lesung für die Bücher von Dominik interessiert: Ich habe mir sagen lassen, dass beide Titel stapelweise bei Buchhandlung Heymann ausliegen! Also nichts wie hin! 🙂
