Elmshorn für Anfänger

Geschichten von einer, die auszog, im Hamburger Speckgürtel zu leben. Eine pragmatische Liebeserklärung.

Barrierefreiheit am Elmshorner Bahnhof – da ist noch Luft nach oben!

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Ein paar Tage mit Unterarm-Gehstützen vermitteln zumindest einen kleinen Eindruck davon, wie viele Hindernisse es in der City für Menschen gibt, die nicht ganz so gut zu Fuß sind oder sich mit einem Rollstuhl fortbewegen. Ob das im Zuge des Stadtumbaus mit angegangen wird?

Wenn man selbst gut zu Fuß ist, fallen einem die vielen kleinen und großen Barrieren gar nicht auf. Doch mein Mann Christoph hatte vergangenen Donnerstag eine kleine Knie-Operation (keine Sorge, alles gut verlaufen!) und konnte sein linkes Knie erst einmal nicht voll belasten. Damit ich ihn nicht immer mit dem Auto nach Altona zu seinem Orthopäden kutschieren musste, fuhr er beim zweiten Nachsorgetermin mit der Bahn – und stellte fest, dass es in Sachen Barrierefreiheit am Elmshorner Bahnhof noch deutlichen Verbesserungsbedarf gibt.

Eigentlich lässt sich die orthopädische Praxis super mit der Bahn erreichen. Sie liegt direkt gegenüber vom Busbahnhof in Altona. Für den Hinweg brachte ich Christoph in Elmshorn zum Bahnhof. Den Bahnsteig 2/3, von dem die Züge Richtung Hamburg fahren, kann man dank des Fahrstuhls auch mit einer Gehbehinderung gut erreichen. In Altona angekommen, konnte er ebenfalls mit Fahrstuhl bzw. Rolltreppe nach oben fahren und den restlichen Weg zur Praxis zu Fuß humpen. Hätte ich ihn mit dem Auto hingebracht, wäre vom Parkhaus aus in etwa dieselbe Wegstrecke zu absolvieren gewesen. Soweit, so gut – auch wenn ihm auffiel, dass der Bodenbelag rund um den Altonaer Bahnhof zum Teil sehr uneben ist, sodass er immer genau hinschauen musste, wo er mit seiner Gestütze als nächstes aufsetzt.

Mit dem Rollstuhl müsste man einmal um den Pudding

Weniger einfach gestaltete sich allerdings die Rückkehr. Die Züge aus Hamburg kommen ja in der Regel auf Gleis 1 an, an dem es keinen Fahrstuhl zur Unterführung (Königstraße/Mühlenstraße) gibt. Christoph nahm also die Treppe nach unten – mit Unterarm-Gehstützen kein echtes Vergnügen, aber zur Not machbar. Doch er begann zu überlegen, wie Menschen im Rollstuhl diese Herausforderung angehen. Wer ohne Treppen von Gleis 1 zur Unterführung gelangen möchte, hat eigentlich nur die Option, bis ans Ende von Gleis 1 zu rollen, wo das AKN-Gleis (Gleis 1a) beginnt. Von dort kann man ebenerdig Richtung Panjestraße und von dort in die Mühlenstraße gelangen, die wiederum in die Unterführung mündet. Man muss also quasi einmal ganz um den Pudding und einen erheblichen Umweg in Kauf nehmen, weil Gleis 1 nicht barrierefrei gestaltet ist.

Bei der Neugestaltung des Bahnhofs bitte an Barrierefreiheit denken!

Wir haben dann noch einen weiteren Gedanken gesponnen: Welchen Weg nimmt man, wenn man mit dem Rollstuhl am Bahnhof Elmshorn ankommt und zu seinem auf der P&R-Parkpalette (siehe Bild unten links) abgestellten Auto gelangen möchte? Es gibt von Gleis 1 zwar eine direkte Verbindung zu dem Weg, der runter Richtung Parkpalette führt (siehe mittleres Bild unten). Doch diese Verbindung besteht aus einer Treppe, eine Rampe oder einen Fahrstuhl sucht man vergebens. Auch hier muss man also – eine andere Variante ist uns nicht eingefallen – den Umweg über das AKN-Gleis und die Panjestraße nehmen. Von der Mühlenstraße kann man neben der Treppe ebenerdig zur Fußgängerbrücke Richtung Parkpalette rollen (siehe Bild unten rechts). Vermutlich nutzen Menschen mit Rollstuhl einfach andere Parkplätze, wenn sie ihr Auto am Bahnhof parken wollen. Doch es ist doch ziemlich gruselig, dass ausgerechnet das kostenlose Parkhaus mit den meisten Parkplätzen für Menschen mit Gehbehinderungen oder Rollstuhl nur so extrem umständlich zu erreichen ist. Zumal auch nirgends ausgeschildert ist, wie man zur Unterführung oder zur Parkpalette gelangen kann, wenn die Treppe keine Option ist.

Betroffene müssen also eigentlich im Vorfeld gründlich recherchieren – z. B. auf der Seite von nah.sh, wo man einen Lageplan des Elmshorner Bahnhofs anschauen kann – und versuchen sich die Wegestrecken überlegen, die man nehmen muss, wenn man nicht so gut zu Fuß ist. Wobei auch aus diesem Lageplan auch nicht eindeutig ersichtlich ist, welche Strecken ebenerdig sind und welche Barrieren aufweisen.

Die Bilder von Christoph beim Treppensteigen mit seinen Gehstützen habe ich natürlich nicht am Elmshorner Bahnhof, sondern vor unserer Haustür aufgenommen… 🙂

Auch wenn Christoph im Haus inzwischen schon wieder überwiegend ohne Gehstützen herumläuft, hoffe ich doch sehr, dass bei den anstehenden Planungen für die Neugestaltung des Bahnhofs in Elmshorn endlich für alle Gleise und in alle Richtungen konsequent an eine barrierefreie Gestaltung und auch entsprechende Beschilderung sowie Online-Information gedacht wird. Die nutzt sogar viel mehr Leuten als man gemeinhin vielleicht denken mag: Neben Menschen im Rollstuhl oder mit (ggf. vorübergehenden, siehe Christoph) Gehbehinderungen auch Reisenden, die schweres Gepäck, Kinderwagen oder Fahrräder dabei haben.

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